Geschichte des Kleinwalsertals und der Walser
Walsertracht der verheirateten Frau. Foto: Hans Wiesenhofer.
Das typische Walserhaus, ein historisches Blockhaus.
Wer zwischen dem südwalserischen Gressoney im Aostatal und dem Kleinen Walsertal in Vorarlberg die Alpen durchstreift, begegnet in den Talebenen den romanischen Lauten der Urbevölkerung, allgemein schweizerdeutschen oder auch italienischen Sprachklängen.
Aber an den Hängen und in den Hochtälern hört man walserisch sprechende Leute. "Grüaß Gott i der Schtuuba" heißen die Menschen im Kleinen Walsertal den Gast in ihren Häusern willkommen und lassen sich gerne auf einen "Hängert" (Plausch) ein.
Eine Völkerwanderung durch die zentralen Alpen
Etwa um das Jahr 1000 erreichte eine kleine Gruppe von Alemannen von Norden her den heute deutschsprachigen Teil des Wallis. Es kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden, warum ein Teil dieser Bauern und Hirten 250 Jahre später begannen, das Goms besonders nach Süden und Osten hin zu verlassen und auf diese Weise von "Wallisern" zu "Walsern" wurden.
Waren es die großen Kinderzahlen, die eine Überbevölkerung verursachten? Waren es Naturkatastrophen, Klimaveränderungen oder die Pest? War es die Trockenheit des warmen Klimas vor 700 Jahren, das im Wallis Not bereitete? Oder einfach die Lust am Abenteuer?
Dazu kann niemand mehr befragt werden. Eine zentrale Rolle spielten die Feudalherren mit ihren verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verbindungen, die es gestatteten, die ausgezogenen Walliser in unwirtlichen Gegenden anzusiedeln. Die Bevölkerung und die Anbauflächen wuchsen. Dadurch sicherten die Herren ihren Unterhalt und ihre Herrschaftsansprüche.
Die Siedler erhielten das "Walserrecht" (Kolonistenrecht), d.h. die persönliche Freiheit, das Recht zur Bildung eigener Gerichtsgemeinden und das Recht der freien Erbleihe von Grund und Boden. Dies besagte, dass beim Tod eines Siedlers das Gut auf seine Erben überging.
Das "Walserrecht" wurde gegen einen mäßigen Zins und die Verpflichtung zum Kriegsdienst gewährt. Heute sind es rund 150 Siedlungen mit ca. 40.000 Menschen, die über 300 km Luftlinie vom südwalserischen Gressoney bis zum ostwalserischen Mittelberg verstreut liegen.
Video zur Geschichte des Kleinwalsertals
Die Geschichte des Tals
1059
Erste urkundliche Erwähnung des Tales. Kaiser Heinrich IV. schenkt dem Bischof Heinrich von Augsburg einen Wildbann, der das Kleinwalsertal und den Tannberg (Lech, Warth, Schröcken) umfasst.
1270
Beginn der Einwanderung aus dem Oberwallis in der Schweiz. Es waren vorwiegend wirtschaftliche und politische Gründe, die dort eine gesicherte Existenz erschwerten und zur Abwanderung führten. Fünf Walliser Familien unter Führung von Hans Wüstner stiegen vom Tannberg über den Hochalppass in das noch unbewohnte Breitachtal herab. Die ersten Häuser standen in Mittelberg, im "Gschtrüß" am Fuße des Zwölferkopfes.
1302
Vermutlich das Baujahr der ersten Kapelle in Mittelberg. Stein an der Pfarrkirche!
1423
Die Walser erwerben erstmals das Recht zur Benützung eines Fuhrweges über Kornau nach Oberstdorf. Dieser steile Weg führte von Riezlern über die Westeggalpen und Amansalpe ins Allgäu.
1451
Graf Ulrich von Werdenberg-Sargans und Ritter Hans von Rechberg werden von Walsern am Tannberg (Lech) wegen einer Streitsache festgesetzt. Herzog Sigismund von Tirol - aus dem Hause Habsburg - fordert die Freilassung seiner Getreuen. Da sich die Walser weigerten (nur Graf Ulrich kam frei), unterwarfen den Tannberg und Mittelberg mit Waffengewalt. Wegen dieses Vorfalls gelangt das Kleinwalsertal zu Österreich.
1563
Kaiser Ferdinand trennt unsere Talschaft vom "Gericht Tannberg" und bildet das "Gericht Mittelberg". Die vier Ortschaften sind seither zu einer politischen Gemeinde, der "Gemeinde Mittelberg", zusammengefasst.
1739
Ausbau eines Weges von der Walserschanz nach Riezlern.
1806
Die Walser verlieren ihre eigene Gerichtsbarkeit, da sie bis 1814 unter bayerischer Herrschaft stehen.
1821
Bis zu diesem Jahr war das Walsertal in zwei Diözesen - Konstanz für Mittelberg und Hirschegg / Augsburg für Riezlern -eingeteilt. Die Breitach bildete die Bistumsgrenze. Alle Pfarreien kommen nun zum Bistum Brixen in Südtirol, 1920 nach Innsbruck und ab 1968 zu Feldkirch.
1891
Der Zollanschluss mit Deutschland schafft große wirtschaftliche Erleichterungen. Der freie Warenverkehr der landwirtschaftlichen Produkte und andere wichtige Handelsgüter ist die Grundlage für die Aufwärtsentwicklung des Tales.
1930
Einführung der Buslinie Oberstdorf -Mittelberg über die neue Breitachbrücke und bessere Straßenführung von Riezlern nach Mittelberg.
1933
Die von der deutschen Reichsregierung erlassene 1000 Mark-Sperre gilt nicht für das Tal. Der Fremdenverkehr steigt stetig. 1937 werden 470.000 Nächtigungen gezählt.
1940
Der erste Schlepplift, der Parsennlift in Riezlern, geht in Betrieb.
1950
Der Heuberg-Sessellift in Hirschegg ist fertig gestellt.
1955
Die neue Kanzelwandbahn nimmt ihren Betrieb auf und erschließt ein attraktives Ski- und Wandergebiet.
1966
Die Walmendingerhornbahn in Mittelberg, die zweite Bergbahn, wird eröffnet. Die Skiregion "Ifen 2000" folgt im Jahre 1972.
1980
Die bereits im Jahre 1960 erreichte Nächtigungszahl von einer Million erhöht sich auf 1, 7 Millionen bei ca. 12.000 Fremdenbetten. Insgesamt stehen als Aufstiegshilfen 30 Schlepplifte,6 Sessellifte und 2 Kabinenbahnen dem Tourismus zur Verfügung.
1982
Das Walserhaus in Hirschegg öffnet seine Pforten und hat sich in den Folgejahren als Mehrzweckgebäude bestens bewährt.