Raus aus dem Wintertief

Während der dunklen Jahreszeit drohen Müdigkeit und Stimmungstief zu unliebsamen Energieräubern zu werden. Aber was hat es mit dem Winterblues auf sich? – und wie lässt er sich vertreiben?

Evolutionäre Überlebensstrategie

Es ist dunkel draußen, kalt und nass – am liebsten würden wir uns mit einem großen Schokoladenvorrat verkriechen, eine Wolldecke über den Kopf ziehen und erst im Frühjahr wieder hervorschauen. Einige Forscher vertreten die These, dass das Wintertief eine evolutionäre Überlebensstrategie ist. Ähnlich dem tierischen Winterschlaf verlangsamt der Organismus seine Tätigkeit, um seine Ressourcen zu schonen und legt Energievorräte an. Erst durch unsere moderne Gesellschaft, die vom Menschen gleichbleibende Leistung rund um die Jahresuhr fordert  – so die These – ist aus dem evolutionären Phänomen ein Krankheitsbild entstanden.

Saisonbedingtes Trübsal

Tatsache ist: Überall dort, wo Jahreszeiten herrschen, gibt es Menschen, die unter ihnen leiden. Für die meisten ist das saisonbedingte Trübsal nicht mehr als ein Small­talk-Thema während der Mittagspause. Für einige andere bedeutet die dunkle Jahreszeit hingegen eine echte physische und psychische Belastung: Sie fühlen sich müde, antriebslos und übellaunig. Während sich Temperatur und Energielevel im gemeinsamen Sinkflug dem Nullpunkt nähern, wird der Alltag zur Herausforderung. Fachleute bezeichnen diesen „Blues“ als subsyndromale SAD (Seasonal Affective Disorder). Das ist eine eher harmlose, aber dennoch lästige Form der Winterdepression. Betroffene schleppen sich und ihre miese Stimmung zwar nur mühsam durch nasskalte Tage, depressiv sind sie deshalb noch lange nicht. Denn während die echt Depressiven weder Appetit haben noch schlafen können, verlangt es Wintermelancholiker nach Süßem, Kohlenhydraten und deftigem Essen – und sie möchten immerzu schlafen.

Tageslicht tut gut

In den Regionen rund ums Mittelmeer leiden nur wenige Menschen unter wetterbedingtem Trübsinn. In Skandinavien sind wiederum auffallend viele Menschen davon betroffen. Die Wissenschaft geht längst von einem Zusammenhang zwischen Lichtmangel und depressiver Stimmung aus. Vieles spricht dafür, dass die SAD durch einen Mangel des Muntermachers Serotonin und Noradrenalin im Gehirn verursacht wird, deren Produktion das Tageslicht anregt. Beide Stoffe beeinflussen Antrieb, Stimmung und Denken. Bei abnehmendem Tageslicht, etwa im Herbst, produziert die Zirbeldrüse im Gehirn vermehrt Melatonin. Dieses Hormon regelt den Schlafbedarf. In den nordischen Ländern behelfen sich viele Menschen mit Tageslichtlampen, um zu ihrer Extraportion Helligkeit zu kommen. Allerdings sollten diese wirklich hell sein: Experten empfehlen mindestens 3 000 Lux, noch besser sind 10 000 Lux. An einen Spaziergang im Freien kommen diese dennoch nicht heran: Selbst unter grauem Himmel erreichen noch 10 000 Lux die Netzhaut. Ein strahlend schöner Wintertag bringt sogar 100 000 Lux.

7 Tipps

Farben

Regen Sie alle Sinne an: Bunte Farben in der Wohnung heben die Stimmung. Farben­frohe Kissen und Pflanzen eignen sich hervorragend als Anti-Winterblues-Dekoration.

Bewegung

Bewegen Sie sich tagsüber mindestens eine halbe Stunde lang im Freien, auch bei schlechtem Wetter. So garantieren Sie Ihrem Körper eine ausreichende Tageslichtzufuhr. Wer berufstätig ist, legt zum Beispiel einen Spaziergang in der Mittagspause ein. Auch unter bewölktem Himmel ist das natürliche Tageslicht noch drei- bis viermal so stark als die Zimmerbeleuchtung.

Kuscheln

Kuscheln Sie, was das Zeug hält, denn: Berührungsreize schütten Hormone aus, die das körperliche Wohlbefinden positiv beeinflussen. Gönnen Sie sich daher ab und zu eine Massage.

Gesund genießen

Im Winter steht Ihnen der Sinn nach deftigen Speisen. Ab und zu ist das erlaubt. Dennoch: Essen Sie nicht zu viel und fettreich. Fette Kost macht müde. Damit Sie sich im Frühjahr nicht über allzu viele zusätzliche Pölsterchen ärgern müssen, greifen Sie lieber öfter mal zu Obst und Gemüse.

Aromen

Nutzen Sie Düfte: Mit ihren ätherischen Ölen wirken sie Wunder gegen schlechte Laune. Aromen wie Bergamotte stimmen fröhlich, Pfefferminze unterstützt dagegen die Konzentration.

Musik

Musik lässt dem Winterblues keine Chance: Singen Sie im Chor oder tanzen Sie zu Ihren Lieblingssongs – mit jedem Takt steigt die Laune.

Wärme

Was hilft besser gegen den Winterblues als Wärme? Gönnen Sie sich einen Tag in einer Therme. Wärme lockert Muskeln und Gelenke – und schenkt neue Gelassenheit.