Vorsichtig taucht Urlaubsranger Tom seine Becherlupe ins Meer und schöpft etwas Wasser ab. Dann hält er das durchsichtige Gefäß gegen das Licht. Und tatsächlich, der Zehnjährige hat Glück. In dem Becher zappelt ein kleiner Flohkrebs. Die Biologin, die die Exkursion begleitet, erklärt, dass diese braunen Tierchen Algen fressen und sehr wichtig für den Stoffkreislauf im Meer sind. Die Kinder sind am Göhrener Nordstrand unterwegs. Sie suchen nach Herzmuscheln oder den selteneren Baltischen Plattmuscheln. Ihre Mission heißt Naturschutz.

Bei dem Projekt „Urlaubsranger“ unterstützen Touristen für einige Stunden am Tag den regionalen Umweltschutz, etwa, indem sie an Pflanzenexpeditionen, Vogelzählungen, Rob- ben-Monitoring oder Fledermausortungen teilnehmen. Gleichzeitig kommen die Besucher auf diese Weise der Flora und Fauna der Insel besonders nah. Begleitet werden die Urlaubsran- ger von Fachleuten und Wissenschaftlern. Dieses deutschlandweit einzigartige Projekt findet im Unesco Biosphärenreservat Südost-Rügen in Zusammenarbeit mit dem NABU Rügen und dem Bundesamt für Naturschutz statt.

Größte Raubtiere

Der Urlaub wird zu einer Mission, bei der man beispielsweise Artenschutzkästen bauen, Brutröhren schützen und gefährdeten Tieren helfen kann. Dazu zählen auch die beiden Seeadler-Brutpaare, deren Horste allerdings streng geheim bleiben. „Die Vögel sind so akut vom Aussterben bedroht, dass wir
sie unter allen Umständen schüt
zen wollen“, sagt Georg Heissler
von Discover Rügen in Göhren (www.discover-ruegen.org), dem Organisator des Projekts „Urlaubsran
ger“. Erst vor gut drei Jahren sind die Greifvögel auf die Insel zurückgekehrt. Genauso wie die Kegelrobben übrigens, die immerhin größten Raubtiere weit und breit: Sie können bis zu 300 Kilogramm schwer werden, in etwa so viel wie ein Braunbär. Die Robbenfahrten sind beliebte Touristenattraktionen, doch Heissler liegt auch der Schutz weniger populärer Tiere wie Unken und Schlangen am Herzen.

Am Ende der Exkursion setzt der kleine Urlaubsranger Tom den Flohkrebs zurück ins Meer – denn schließlich ist er als Ranger unterwegs und damit für den Schutz der Natur zuständig.

 

Bild: Discover Rügen