Morgens, ehe wir aus dem Haus gehen, ziehen wir unsere Schuhe an. Darüber denkt kaum jemand nach. Doch was sich so natürlich anhört, hat mit Natürlichkeit eigentlich nichts zu tun. Das ständige Tragen von Schuhen schadet den Füßen mehr, als viele Menschen glauben.

Schuhe fördern Fehlstellungen der Füße

Die Mehrheit der Bevölkerung Fußdeformationen wie Knick-, Senk- oder Spreizfüße – und dass wir unsere Füße ­regelmäßig in Schuhe pressen, ist ein entscheidender Grund dafür. Barfußlaufen wirkt Fehlstellungen entgegen. Durch die festen Schuhe werden die vielen kleinen und großen Fußmuskeln kaum noch trainiert – das führt auf Dauer zu Fehlstellungen. Denn je weniger Bänder, Sehnen und Muskeln belastet werden, desto eher bilden sie sich zurück. Das Barfußlaufen trainiert die Muskeln und fördert eine gesunde ­Zehenstellung. „Barfußlaufen kräftigt die Füße besser als jede andere Übung und schützt so vor Fußfehlstellungen und allerlei Laufverletzungen“, bestätigt Laufexperte und Barfußlauf-Pionier Matthias Marquardt.

Lieber klein anfangen

Im Alltag ist das Barfußlaufen nicht immer umsetzbar, doch der Urlaub bietet viele gute Gelegenheiten zum Barfußlaufen, am Strand zum Beispiel oder auf einer Bergwiese. Wichtig ist, dass man zunächst mit kleineren Strecken beginnt und sich nach und nach steigert, denn das Barfußlaufen ist für Ungeübte anstrengend. Auch das Laufen auf nackten Zehenspitzen über kürzere Strecken trainiert die Fußmuskeln, genau wie öfter einmal barfuß auf einem Bein stehen.

Und Barfußpfade, wie es sie in vielen Teilen Deutschlands gibt, sind ebenfalls sehr nützlich: Dadurch, dass wir immer Schuhe tragen, haben wir verlernt, mit den Fußsohlen zu fühlen. Die unterschiedlichen Untergründe wie Steine, Holzhackschnitzel oder Sand eines Barfußweges sorgen für neue Sinneseindrücke. Darüber hinaus regt Barfußlaufen die Fußreflexzonen und damit den gesamten Organismus an.

Barfußschuhe als sanfte Alternative

Nicht Jeder kann oder möchte regelmäßig Barfuß laufen. Schließlich lauern auf den Gehwegen und im Gras viele Verletzungsgefahren. Seit einigen Jahren gibt es daher sogenannte Barfußschuhe. Sie haben eine dünne, flexible Sohle und sind sehr leicht. Sie sollen das Erlebnis des Barfußlaufens möglich machen und den Fuß gleichzeitig vor Schmutz und Verletzungen schützen. Sehr bekannt ist der FiveFingers-Schuh von Vibram. Alle Barfußschuhe geben den Zehen viel Bewegungsfreiheit. Ein Ziel des Barfußlaufens ist es, den Ballengang (Auftreten mit dem Vorderfuß) zu fördern. Mit festen Schuhen tritt man meist mit der Ferse zuerst auf. Untersuchungen der Universität der Bundeswehr München haben gezeigt, dass Laufen mit Barfußlaufschuhen die Muskulatur der Füße um 30 Prozent mehr kräftigt als das Laufen in  Laufschuhen. Zudem traten bei den Versuchspersonen in Barfußlaufschuhen in einem  dreimonatigen Trainingsprogramm keine Überlastungsverletzugen auf.

Text: Cornelia Wolter

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