Wer kann sich nicht erinnern, wie es in der Kindheit war, mit den Eltern oder Großeltern Rommé oder „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen. Man vermutet, dass die Spiele bereits von Computern und Smartphones abgelöst wurden. Aber in Wahrheit ist ein gemeinsamer Spieleabend bei den Deutschen immer noch sehr beliebt.

Die Hersteller haben seit Jahrzehnten kaum Umsatzeinbußen und sie bringen wieder gute Brettspiele auf den Markt. „Die US-amerikanischen Spielforscher beneiden uns um die vielen guten Brettspiele. Es gibt sogar einen eigenen Begriff dafür: ,German Games‘“, sagt Professor Rainer Buland, Leiter des Instituts für Spielforschung der Universität Mozarteum in Salzburg.

Auch in Hotels setzen sich die Urlaubsgäste immer öfter für ein Spiel Backgammon, Rommé oder „Mensch ärgere Dich nicht“ zusammen. „Manche Gäste spielen im Kaminzimmer oder auf unserer Empore am Nachmittag oder frühen Abend Karten“, hat etwa Claudia Haase, Marketingassistentin im Travel Charme Kurhaus Binz, bereits 2017 beobachtet. Im Travel Charme Ostseehotel Kühlungsborn können Gäste in der Hotelbibliothek Spiele ausleihen. „Die Gäste spielen gern ,Rummikub‘, Schach, Backgammon, ,Mensch ärgere Dich nicht‘ oder Rommé “, berichtet Christine Bentz, stellvertretende Direktorin.

Brettspiele sind wichtig für Kinder

Im Travel Charme Strandhotel Bansin ist auf Familien spezialisiert und damit gehört hier das Spielen fest zum Urlaubsplan dazu. „Gesellschafts-, Brett- und auch Computerspiele werden von den Kindern und auch gemeinsam in der Familie gespielt“, sagt Kerstin Tack schon 2017. Sie ist Leiterin des Kinderclubs im Travel Charme Strandhotel Bansin. Das sei wichtig, denn gerade Brettspiele förderten Sozialverhalten, Denkvermögen und Merkfähigkeiten. „Mensch ärgere Dich nicht“ ist hier genauso beliebt wie „Lotti Karotti“.

Rainer Buland wundert das nicht: „Im Urlaub hat man Zeit. Und an einem verregneten Urlaubstag kann ein Spiel durchaus die Stimmung retten“, sagt er. Und: Spielen hat eine wichtige soziale Funktion. Hier können sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf Augenhöhe begegnen. „Meine 14-jährige Tochter hat im Spiel eben dieselbe Entscheidungsfreiheit wie ich“, erläutert Buland. „Sie darf mich so richtig in die Pfanne hauen. Und das ist wohl auch eine wichtige Erfahrung für Kinder: Was passiert, wenn ich meinen Vater oder meine Mutter im Spiel besiege?“

Heute werden allein in Deutschland rund 400 Millionen Euro pro Jahr mit Brett- und Kartenspielen umgesetzt. Und auch wenn viele Spielefans gespannt die Neuheiten des Spielemarktes erwarten, werden im Laden noch immer Dauerbrenner wie „Monopoly“ oder auch „Mensch ärgere Dich nicht“ gekauft. Übrigens reicht die Brettspiel-Kultur schon 5 000 Jahre zurück. „So alt ist etwa das ,Spiel von Ur‘, ein wunderschönes Spielbrett samt Figuren, das jetzt im British Museum liegt“, erzählt Buland.

Text: Cornelia Wolter