Eine Stadt flippert aus – so titelte eine große deutsche Boulevardzeitung. Die Rede war von Bewohnern in Kiel, einer Stadt, die nicht gerade für überbordende Emotionen berühmt ist. Die Aufregung hatte einen Grund: In der Kieler Förde war ein Delfin gesehen worden. Und die Kieler starrten auf das Wasser. Einige waren so begeistert von der Idee, mit ihm zu schwimmen, dass sie sich trotz kühler Temperaturen die Kleider vom Leib rissen und ins Wasser sprangen. Man nannte ihn Freddy, später kam ein zweiter hinzu, der wurde Fiete getauft. Auch dieses Jahr im April wurde wieder ein Delfin in der Ostsee entdeckt.

Delfine sind Vagabunden

Aber wo kommen sie her? Wird man jetzt öfter Delfine in der Ostsee begrüßen dürfen? „Delfine sind Vagabunden“, sagte Sven Koschinski schon 2018, Meeresbiologe vom NABU Schleswig-Holstein. Delfin Freddy wurde vor einiger Zeit sogar vor der Küste der Bretagne gesichtet. Es komme immer mal wieder vor, dass sie Schwärmen von Dorschen und Heringen hinterherschwimmen und plötzlich in fremden Gewässern auftauchen, sagt der Experte. Die Ostsee bietet reichlich Nahrung. „Heimisch sind sie in der Ostsee nicht. Zumal sie sich dort nicht vermehren.“

Heringsschwärme in der Ostsee

Normalerweise leben die Tiere in Gru­ppen in der salzreicheren Nordsee und im Atlantik. Nun kommen sie in die Ostsee. Bei Warnemünde sind seit einiger Zeit die beiden Großen Tümmler Selfie und Delfie unterwegs. Zwischen Rügen und Usedom tummelte sich im vergangenen Sommer sogar ein zehn Meter langer Buckelwal. Ob der Klimawandel daran schuld ist? Oder liegt es daran, dass die Populationen der Meeressäuger immer größer werden? Man weiß es nicht.

Delfine Ostsee

Den Anblick genießen

Delfine sind freundlich, neugierig und intelligent. Sie schwimmen neben Schiffen her und finden auch an der Gesellschaft von Menschen Gefallen. „Ich wäre sehr vorsichtig, wenn sich mir ein Delfin nähert“, sagt der Meeresbiologe. „Delfine sind Raubtiere, das sollte man nicht vergessen.“ Selbst ein Spiel könne tödlich enden, wenn sich ein 400 Kilo schwerer Tümmler auf einen Menschen wirft. Besser ist es, Abstand zu halten und einfach den Anblick zu genießen!

Text: Kirsten Niemann

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