Wie fast jeden Tag im Sommer geht es geschäftig zu auf der Strandpromenade in Kühlungsborn. Manche Leute schlendern gemütlich mit auf dem Rücken verschränkten Armen. Andere hasten eilig die Straße entlang. Und einer steht ganz ruhig mittendrin: Tilman Nickel, er hat ganz in der Nähe des Ostseehotels seine Bilder in einer Art Freiluftgalerie aufgereiht. Den Zaun entlang hängen die Werke. Sie zieren auch eine Art rechteckige Säule auf Rädern. „Das ist
 mein Mobdum“, sagt der Künstler
 Tilman Nickel grinsend, „das
 steht für mobiles Distributions-
 und Malgerät.“ Es dient ihm auch
 als eine Art Staffelei. Und im In
neren kann er Pinsel und Farben unterbringen.

Äpfel statt Birnen

Oft bleiben Leute bei ihm stehen. Sie staunen über das immergleiche Motiv auf den Bildern des Berliner Künstlers. Ein Apfel in Grün, einer in Lila, einer ist rot, der nächste gelb. Sie alle sehen nahezu identisch aus und liegen auf einer weißen Fläche, vielleicht einem Tisch, und werfen einen Schatten in die rechte Bildhälfte. Diese Art von Kunst bringt zweifelsohne mehr Fragen mit sich als ein beschauliches Küstengemälde. Zwei kleine Kinder schauen sich neugierig um: „Warum malst du nur Äpfel? Warum keine Birnen?“ Tilman Nickel kennt solche Fragen und scheint es zu genießen, mit Passanten zu reden: „Nun, ich mag eben Äpfel am liebsten.“

Der Apfelmaler kommt jeden Sommer

Rund sechzig Euro kostet eines der Bilder von Tilman Nickel, der in der Gegend längst als „der Apfelmaler“ bekannt ist. Jedes Jahr ab Ende Juni, Anfang Juli reist der Künstler nach Kühlungsborn, dort verbringt er den Sommer und stellt jeden Tag sein Mobdum in der Strandpromenade auf. Im Herbst fährt er zurück in seine zweite Heimat, auf die Künstlerinsel La Palma, wo er den Winter verbringt und – wie sollte es anders sein – Äpfel malt. Das tut er bereits seit zehn Jahren, unzählige dieser bunten Früchte müssen mittlerweile in den Wohnzimmern von Ostseetouristen hängen. Bleibt immer noch die Frage: Warum denn nun der Apfel? „Der Apfel ist der Anfang von allem“, sagt Tilman bedeutungsvoll in Anspielung auf den Sündenfall. Darüber hinaus habe er eine perfekte Form und ließe gleichzeitig viel Spielraum für Interpretationen.

 

Bild: Cornelia Wolter