Griffig knistert der Schnee unter meinen Skiern, die Piste vor mir ist fast leer, übermütig gehe ich in die Knie: Jetzt wird Schuss gefahren. Blitzschnell rase ich die wohlpräparierte Piste hinab. Plötzlich taucht links neben mir ein Schild auf. Moment, ist das nicht meine Abzweigung? Schon bin ich verloren im Gewirr der vielen Pisten. Nein, ich wäre es. Denn heute trage ich die Datenskibrille und die „Smart Goggles“ zeigen mir auf einem kleinen Display genau an, wo ich bin und wo ich hinwill. Aha, die Auhofalm-Hütte, zu der ich möchte, ist 2,4 Kilometer entfernt. Ein ganz schönes Stück also noch – zum Glück zeigt mir die Brille auch genau an, welche Lifts und Pisten mich dorthin führen. Ganz wie ein Navigator auf der Straße – perfekt für jemanden wie mich, der wenig Orientierungsvermögen hat.

Mit Live-Navigation

Und so funktionieren die Smart Goggles: Per Knopfdruck am Handgelenk navigiere ich durch ein kleines Display am rechten unteren Rand der Brille, hier werden mir alle Infos zu Liften, Skihütten, Pisten – und sogar auch meine Geschwindigkeit – angezeigt. Kaum aus dem Lift, gebe ich Start- und Zielpunkt ein, alles andere macht die Brille.

Skifahrer navigiert seine Datenskibrille

Per Knopfdruck am Handgelenk navigiert man die Brille.

Österreich größtes Skigebiet, Ski amadé, hat als erste Alpenregion bereits vor drei Jahren diese Smart Goggles eingeführt. Seit vergangenem Winter gibt es nun die Live-Navigation. Der findige Bergbahnen-Chef Christoph Eisinger ist bekannt für seine Ideen. Er führte schon 2011 das WLAN auf der Piste ein. Damals wurde er dafür noch von den Touristikern der anderen Skigebiete belächelt, heute haben viele nachgezogen.

Die Skibrillen sind nicht billig

In der Ski amadé sorgen 400 Access Points dafür, dass Skifahrer niemals offline sein müssen. Deshalb funktioniere die Datenskibrille hier auch so perfekt, erklärt Eisinger mir: „Die Brille loggt sich über unsere Ski-amadé-App in das WLAN ein, ortet dich per GPS – und so weiß sie immer, wo du gerade bist.“

So viel Technik hat ihren Preis: 500 bis 700 Euro kostet eine solche hochgerüstete Brille. Man kann sie aber im Skigebiet für 19 Euro pro Tag ausleihen, zusammen mit den Skiern. Ist das die Zukunft für alle Skigebiete, wird es bald keine gedruckten Pistenpläne mehr geben?

Nahaufnahme der Datenskibrille

Das Display der Skibrille.

Nahaufnahme der Datenskibrille

Ein Modell der Datenskibrille.

„Der Trend ist auf jeden Fall da, besonders von den Digital Natives werden sicher bald viele mit der Datenskibrille unterwegs sein“, glaubt Eisinger. Das macht Sinn, schließlich helfen uns im Alltag ja schon Apps und Tools wie Google Maps bei der Orientierung. Warum also nicht auch auf der Piste? Von Skilehrer Markus Kreidenhuber will ich aber trotzdem wissen, ob das Ganze nicht gefährlich ist, denn wenn Skifahrer nun immer auf das Display starren, sind Unfälle doch eigentlich vorprogrammiert. Oder? „Nein, im Gegenteil – denn die Skibrille schaltet sich bei zu hoher Geschwindigkeit automatisch ab“, sagt Markus Kreidenhuber.

Navigation zur Massage

Für mich jedenfalls hat sich die Datenskibrille schon jetzt ausgezahlt: Ohne sie hätte ich nämlich nie den „Massage Drive-in“ an der Bergstation der Grafenbergbahn gefunden – hier, auf Sesseln in einem kleinen aufblasbaren Zelt, kann ich mich kostenlos massieren lassen. „Manch ein Wintertourist kommt nur auf den Berg, um sich von uns massieren zu lassen“, verrät mir Masseur Roland Holzinger, während er meine Schultern knetet. Ich blinzle in die Sonne und muss zugeben: Er ist wirklich ausgesprochen gut. Zurück auf die Piste will ich aber trotzdem – natürlich mit der Datenskibrille.

Text: Janina Richter, Bilder: Ski amadé