Karneval, Fasching oder Fastnacht – in vielen Regionen der Welt beginnt die närrische Zeit

Noch einmal aus dem Vollen schöpfen, bevor man dem „carne“ „vale“ sagen muss – also dem Fleisch Lebe­wohl. Die Tage vor der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern nutzen Katholiken in vielen Teilen der Welt, um noch einmal ausgelassen zu feiern. Manche Brauchtumspfleger verweisen auf vorchristliche, heidnische Wurzeln und betonen, dass sie mit der lärmigen Fastnacht den Winter austreiben und den ersehnten Frühling begrüßen. Dafür spricht etwa, dass die Ägypter bereits zu vorchristlicher Zeit das Wiedererwachen der Natur mit festlichen Gelagen und Maskenbällen zelebriert haben.
So oder so: Tanz, Freude und Fröhlichkeit spielen immer die ­Hauptrolle. Kostüme und Masken hielten in Deutschland erst ab dem 15. Jahrhundert Einzug. Zu Karneval ist alles erlaubt – und maskiert feiert es sich viel ungenierter. Standesgrenzen werden außer Kraft gesetzt und selbst der Schüchterne traut sich aus seiner Haut.

Salzburger Fasching

Österreichs älteste Faschingsgilde hat ihren Sitz in Salzburg. Sie wartet mit einem Brauch auf, bei dem sich die Besucher erstaunt die Augen reiben: wenn am Faschingssonntag – wie seit mittlerweile 500 Jahren – alle Metzgergesellen den „Metzgersprung“ vollziehen. Sie springen in einen mit Wasser gefüllten Bottich, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen. Zur Stärkung bekommen sie – und auch die vielen Besucher – Stockwürste gereicht.

Rheinischer Karneval

Entlang des Rheins wird die Karnevalssaison offiziell bereits am 11.11. um 11:11 Uhr eröffnet. Bis zum Aschermittwoch folgen unzählige Karnevalssitzungen mit Prinz und Prinzessin und Höhepunkten wie den Rosenmontagsumzügen oder der Verbrennung des „Nubbels“. Das ist eine Strohpuppe, die für die Karnevalssünden büßen muss. Die nötige Grundlage für den reichlich fließenden Alkohol verschaffen deftige rheinische Spezialitäten wie „Schavu met Zizies“ (Kohl mit Bratwürstchen).

Alemannische Fastnacht

Am „schmotzigen Donnerstag“ vor Aschermittwoch beginnt im ­Südwesten Deutschlands und in Teilen der Schweiz die alemannische Fastnacht mit Umzügen und Holzmasken, „Larven“ genannt. Hier hat die „fünfte Jahreszeit“ auch kulinarisch einiges zu bieten. Man musste sich ja schließlich wappnen für die lange Fastenzeit. In dieser waren nicht nur Fleisch, sondern meist auch andere tierische Produkte wie Käse, Schmalz, Butter und Eier aus den Küchen verbannt. Schmutzig geht es indes nicht zu, denn „schmotzig“ ist Alemannisch für „Schmalz“. Die beliebten Fastnachtsküchle bestehen aus Hefegebäck, das in heißem Fett ausge­backen wird.

Tiroler Fastnacht

Auch in Tirol wird Karneval gefeiert – und wie! Berühmt sind etwa Mullerläufe. So heißt das höllische Spektakel mit heidnischen Wurzeln, das sich jedes Jahr im Februar in Tirol abspielt. Schauplätze sind die sogenannten „Martha-Dörfer“ Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam in der Nähe von Innsbruck und Hall. Mit Holzklöppeln, Rasseln und Schellen bewaffnet und grimmig maskiert treiben die Männer die kalte Jahreszeit fort, damit der Frühling kommen kann. Die handgefertigten Masken und Fratzen sind gruselig und der Lärm ohrenbetäubend – je lauter und auffälliger das Spektakel, desto schneller werden die Dämonen des Winters vertrieben. Wenn die Hexen die Haare der Zuschauer zerwühlen und ihnen kräftig auf die Schulter schlagen, ist das kein aggressiver Akt – im Gegenteil. Damit werden Gesundheit, Glück und Fruchtbarkeit fürs kommende Jahr weitergegeben.

Andere Länder, andere Sitten

Österreich

In Österreich isst man zur Fastnacht traditionell die Faschingskrapfen. Um deren Entstehung gibt es zahlreiche Mythen: Als ihre legendäre Erfinderin gilt beispielsweise Cäcilie Krapf, die im 17. Jh. sogenannte „Cillykugeln“ aus Germteig backte.

Venedig

Stilvoll begehen die Venezianer ihren Karneval in der Lagunenstadt: in prachtvolle Kostüme gewandet, die Gesichter hinter Masken verborgen. Gaukler zeigen ihre Kunststücke, auf dem Marktplatz wird Marionetten­theater dargeboten. Zum Auftakt, zehn Tage vor Aschermittwoch, schwebt ein an einem Stahlseil gesicherter Engel auf den Markusplatz. Gegessen werden süße Backwaren wie die Galani und Schokolade.

Nizza

In Nizza feiert man zwei Wochen lang Karneval – im Jahr 2019 vom 16. Februar bis zum 2. März. Das Besondere an diesem Fest sind die nächtlichen Umzüge an der berühmten Promenade des Anglais und die Blumenkorsos aus 16 geschmückten Wagen, von denen Unmengen von Mimosen, Rosen und Nelken in die Menge geworfen werden.

 

Texte: Andrea Hahn & Kirsten Niemann

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