Es ist ein ungeschriebenes Gesetz beim Golf: Wer zum ersten Mal den Schläger ansetzt, trifft den Ball. Und damit Beginnt meist auch schon die Sucht nach dem Spiel. Es ist ein berauschendes Gefühl, wenn der Schläger durch die Luft saust und der Ball nach einem deutlichen „Klong!“ im hohen Bogen davonfliegt.

„Ja, ich spiele Golf, aber ich schäme mich fast, es zuzugeben – ich denke an nichts anderes mehr“, gestand etwa Schauspieler Hugh Grant. Und der US-amerikanische Komiker Bob Hope sagte einst: „Wenn du Zuschauer bist, ist es ein Spaß, wenn du spielst, ist es Entspannung, wenn du daran arbeitest, ist es Golf.“

Golfplatz mit Ökofischzucht

Auch in Deutschland und Österreich wird die Faszination für den Sport immer größer. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Mitgliederzahlen laut Deutschem Golf Verband um 4,8 Prozent gestiegen. Mehr als 640000 organisierte Golfspieler und 727 Anlagen gibt es in Deutschland. Nur England hat europaweit mehr Plätze.

Immer mehr Golf Clubs machen durch Innovationen auf sich aufmerksam. Auf dem Platz des Ostsee Golf Resort Witten­beck nahe Kühlungsborn gibt es die erste Ökofischzucht auf einem Golfplatz. In den drei größeren Gewässern des Platzes wurden 400 junge Bachforellen, 200 Saiblinge und 300 Bachkrebse ausgesetzt. Gemeinsam sollen sie nun für eine gute Wasserqualität sorgen.

Tatsächlich ist der Aufenthalt in der Natur – auch wenn diese künstlich geschaffen wurde – für viele Golfer ein wichtiges Argument. Wenige Anlagen können allerdings mit so viel natürlicher Schönheit punkten wie der Golfclub Achensee mitten im Naturschutzgebiet Karwendelgebirge in Tirol.

„Ah geh, i versäg heit eh ois“, brummelt da gerade einer der Tiroler Spieler und schaut seinem Ball hinterher, der soeben in einem kleinen Kiefernwäldchen verschwindet. „Ois, ois, ois versäg i.“ Und das, obwohl er doch bereits seit Jahrzehnten Golf spielt, wie er beteuert. „Ist halt zu schön hier“, sagt er schulter­zuckend und versucht sich in Hochdeutsch.
Recht hat er! Wie soll man sich hier auch konzentrieren! Der GC Achensee ist nicht nur der älteste Golfplatz Tirols, sondern wohl auch der ­schönste im Alpen­raum. Der eisbonbon­blaue Achensee, Schluchten und Felsformatio­nen umrahmen den Platz, und zwischen den Gipfeln des Karwendelgebirges hängen die Wolken weiß wie Watte vor einem blauen Himmel.

Golf zwischen Bergen

Da fällt es schon einmal schwer, jede Bahn auf gleichbleibend hohem Niveau zu absolvieren und 18 Löcher gleichermaßen zu fokussieren. Denn am Ufer des Achensees erhält der Begriff „Tunnel­blick“ eine völlig neue Bedeutung: Bestechen Golfplätze ansonsten eher durch Weite, Fläche, freie Sicht, bestenfalls behindert durch mal mehr, mal weniger dichten Baumbestand, so spielt man am Rande eines des größten und ältesten Naturschutzgebiete der Alpen­republik wie durch enge Schluchten hi­nein in Richtung der schönsten Felsformationen der Region südwestlich vom schneebedeckten Zillertal. Der Karwendel ist bereits beim einfachen Betrachten von erstaunlichem Liebreiz – wenn man dann auch noch über die Fairways durch das karstige Massiv hindurchzuspazieren scheint, wird jede Golfrunde zur Bergwanderung.

Es ist, als seien all die Gipfel von Landschaftsarchitekten eigens herge­richtet worden, so majestätisch ­säumen die Nördlichen Kalkalpen den Platz im Dörfchen Pertisau, so nahtlos scheinen die Füße der Berge ins Gebüsch an der Bahnenkante überzugehen. Fast 800  Qua­drat­kilometer misst die Schutzzone ringsum, und ein Gipfel darin ist malerischer als der nächste. Der Tristen­kopf ist so etwas wie der Hausberg des Golfclubs, er ragt wie ein grüner Eckzahn vor dem elften – dem hübschesten – Grün auf.
Viereinhalb Stunden dauert es ungefähr, die 18 Löcher zu spielen. Das gelingt mal gut und manchmal weniger gut. Aber genau darum geht es ja.