Heute gilt er Gourmetfans und Spitzenköchen als eine Art Kulinarik-Bibel: der Guide Michelin. Dabei hatte alles herzlich wenig glamourös begonnen. Schon im Jahr 1900 erschienen war er zunächst einfach ein Werkstatt-Wegweiser. Gestaltet wurde er von der Touristikabteilung des gleichnamigen Reifenherstellers.

Doch selbst damit war der französische Guide Michelin ein ziemlich exklusives Produkt. Schließlich gab es damals nicht einmal 3000 Autofahrer. Dennoch erschien das Buch in Frankreich mit einer Auflage von 35 000 Stück. Es enthielt fortan vor allem Tipps zum Umgang mit dem neuen Luxus- und Sehnsuchtsprodukt Auto. Und natürlich mit dessen Reifen. Aufgelistet waren neben Werkstätten auch Batterieladestationen und sogenannte Benzindepots.

Michelin Sterne als Empfehlung

1910 erschien die erste deutschsprachige Ausgabe des Guide für Deutschland und die Schweiz. 1923 dann auch mit ersten Hotel- und Restaurantempfehlungen. 1926 wurden in Frankreich die ersten Michelin-Sterne vergeben. In den folgenden Jahren verfeinerte man die Bewertung und vergab schließlich zwei und drei Sterne für eine herausragende Küchenleistung. 1936 wurden die bis heute gültigen Definitionen zu den Sternen eingeführt. „Eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung“ (ein Stern). „Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg“ (zwei Sterne). „Eine der besten Küchen: ist eine Reise wert“ (drei Sterne).

Übrigens gibt es streng genommen keine „Sterneköche“, weil immer das Restaurant und nicht der Koch selbst mit dem Stern ausgezeichnet wird, auch wenn die Vergabe des Sterns natürlich vor allem auf der Leistung des Küchenchefs beruht. Michelin-Sterne sind auch kein offizieller Qualitätsstandard, sondern lediglich Empfehlungen der Redaktion des Guide Michelin. Dennoch würden die meisten Köche alles dafür geben, um es in das kleine rote Büchlein zu schaffen, das jedes Jahr im November erscheint.