Die Stadt Hall bei Insbruck wurde durch den Salzabbau reich. Später kam die Münzenproduktion. Heute hat Swarovski dort seinen Firmensitz: Es gibt viel zu entdecken in diesem geschichtsträchtigen Ort.

Die Stadt Innsbruck kennt jeder, doch Hall – nur rund zehn Kilometer weiter östlich – ist vielen unbekannt. Dabei gab es Zeiten, da war Hall viel bedeutender als die heutige Tiroler Landeshauptstadt. Rund 700 Jahre lang wurde dort am Salzberg nämlich das weiße Gold abgebaut. Das Salz bescherte der Stadt einen immensen Reichtum und sehr rasch entstanden imposante mittelalterlichen Bauwerke, die man dort bis heute bewundern kann. Weit und breit war Hall damals der bedeutendste Wirtschaftsplatz.

Mittelalterliches Hall

Nahe des Oberen Stadtplatzes ist im Keller des einstigen Großen Fürstenhauses heute das Bergbaumuseum untergebracht. Es zeigt einen nachgebauten Stollen und demonstriert, wie die Arbeit im Berg und die Gewinnung des Salzes ab dem 13. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts vonstattenging. Von hier aus kann man durch idyllische Gassen gemütlich weiter in Richtung des mittelalterlichen Rathauses schlendern. Jede Gasse und jeder Straßenpflasterstein in der hübschen Altstadt von Hall erzählen eine Geschichte. Die Fassaden sind liebevoll restauriert, überall findet man historische und zeitgenössische Kunstwerke, geschnitzte Giebel oder barock ­bemalte Fassaden.

Der erste Silbertaler

Nicht nur das Salz verschaffte Hall Reichtum und Bedeutung. Die Stadt war auch entscheidend an der Entstehung der modernen Münzprägung beteiligt. Im Museum Münze Hall in der Burg Hasegg ist der Nachbau einer einzigartigen Walzenprägemaschine zu sehen – es ist die einzige Walzenprägemaschine der Welt. In Hall gab es eine ähnliche bereits im 16. Jahrhundert, also noch 200 Jahre vor der Industrialisierung. Hall begann damals, die Prägemaschinen zu exportieren. Doch das war nur eine Entwicklung, die das Münzwesen revolutionierte. In Hall wurde nämlich auch die erste Silbermünze im Wert eines Goldtalers geprägt. In Anlehnung an den (goldenen) Gulden nannte man das Silberstück Guldiner. Im Jahr 1486 wurde der erste Guldiner in der Münzstätte Hall geprägt. Er gilt als Ur-Taler. Noch heute gehen einige der wichtigsten Währungen der Welt – darunter der US-Dollar, der japanische Yen oder der russische Rubel – auf diese Münze zurück.

Glanzvolle Geschichte

Zu der glanzvollen Geschichte Halls passt auch ein anderes Unternehmen, das seit mehr als 120 Jahren seinen Hauptsitz im kleinen Dorf Wattens, unweit von Hall, hat: ­Swarovski. Daniel Swarovski, ein Glasschleifer, gründete 1895 sein Unternehmen für die Kristallproduktion. Er entwickelte einen Schleifapparat und seine me­chanisch geschliffenen Kristalle waren
von hoher Qualität, die Nachfrage stieg und die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begann.

Funkelnde Wunderkammern

Genau 100 Jahre später, im Jahr 1995, wurden in Hall-Wattens die Kristallwelten eröffnet. Auf dem 7,5 Hektar großen Gelände finden sich neben einem großen Swarovski-Shop auch die Wunderkammern. Zu ihnen gelangt man durch den „Kopf des Riesen“, der längst zum Symbol der Erlebnisfläche mit Garten und Installationen geworden ist. Die einzelnen Wunderkammern wurden jeweils von namhaften Künstlern wie Brian Eno, Jim Whiting oder Arik Levy gestaltet – manche sind wild funkelnd, andere skurril, zum Staunen sind sie alle.

Text: Conny Wolter

Foto: Swarovski