Der Brocken, der sagenumwobene Hexentanzplatz und die dampfenden Harzer Schmalspurbahnen – in diese Reihe passt der Harzer Baumkuchen doch ausgezeichnet, findet Wolf-Dieter Friedrich. Zwar weiß der erfahrene Konditormeister, dass Baumkuchen gemeinhin als Salzwedler Spezialität gilt. „Doch schließlich wurde in Wernigerode schon 1749 die erste Baum- und Schloßkuchenfarbrik gegründet“, erklärt er. Eine Tradition bestehe in Wernigerode also durchaus.

Begonnen hat die Firma „Harzer Baumkuchen Friedrich“ Anfang der Neunzigerjahre. Erst in einer kleinen Bäckerei, dann in einer etwas größeren und seit 2008 am Standort Neustadter Ring 17. In dem Gewerbegebiet leuchten schon von Weitem die gelben Türme des großen Cafés. Es ist auch unter der Woche gut gefüllt. Nicht selten fahren Reisegruppen in Bussen vor. Am Wochenende empfiehlt es sich, vorab einen Tisch zu reservieren. Fast zwanzig Tonnen bäckt Friedrich pro Jahr. Im Angebot sind mehr als vierzig Varianten, die sich vor allem in Form und Überzug unterscheiden. „Wir haben schon Fußbälle, Klaviere und Schlüssel aus Baumkuchen gefertigt. Sogar einmal ein Gebiss“, sagt Friedrich, der das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Regina betreibt. Eigentlich ist das Rezept recht unkompliziert: „Dennoch kommt es auch nach all den Jahren und Zigtausend Baumkuchen manchmal vor, dass ein Teig misslingt“, sagt Friedrich“

Besucher aus aller Welt

2010 wurde die Bäckerei als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“, einer Initiative von Bundesregierung und Wirtschaft, ausgezeichnet. Das Land Sachen-Anhalt kürte Friedrich im Juni zum Unternehmer des Monats. Außerdem gewann sein Baumkuchen den Gourmet-Preis „Taste Award“. Die rund 100 000 jährlichen Besucher aus aller Welt kommen auch wegen der Schaubäckerei. Dort wird jeden Freitag und Samstag von 14 bis 16 Uhr unter anderem vorgeführt, wie Baumkuchen entsteht.

Wer will, kann
 dann auch
 gleich das noch 
warme, duftende Ge
bäck bestellen. In dem Café befin
det sich auch ein kleines Museum. Hier hat Friedrich Baumkuchen aus aller Welt und deren Geschichte zusammengetragen. In Japan, so erfährt man, habe sich im 20. Jahrhundert eine wahre Baumkuchen-Tradition entwickelt. Beeindruckend ist auch das riesige, fünfzig Kilogramm schwere Gebäck, das im Museum steht. Diesen hat Friedrich zur Geschäftseröffnung von einem Kollegen aus Litauen geschenkt bekommen.

Im Jahr 2014 trat der Konditormeister Christian Feuerstack in die Fußstapfen von Familie Friedrich und übernahm das Unternehmen.

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Bild: Cornelia Wolter