Für weniger Stress und mehr Immunabwehr

„Wenn der Kuss gesundheitsschädlich wäre, wie Gesundheitsapostel immer wieder behaupten, wäre ich längst tot!“ Es ist schon eine Weile her, dass Brigitte Bardot dies sagte. Heute würden Gesundheitsapostel nicht mehr uneingeschränkt behaupten, Küssen schade der Gesundheit. Im Gegenteil: Es stärkt das Herz, senkt den Blutdruck und beseitigt Schluckauf.

Nützliche Glückshormone

Obendrein helfen die Glückshormone, die beim Küssen freigesetzt werden, dem Körper dabei, Stress abzubauen. Der vermehrte Speichelfluss, der den Kuss begleitet, stärkt unsere Zähne. Denn Speichel enthält Kalzium und das Spurenelement Phosphor. Beides wird vom Zahnschmelz aufgenommen, macht ihn hart und damit widerstandsfähig gegen Karies. 30 Gesichtsmuskel beteiligt Neben der Zunge sind etwa 30 weitere Gesichtsmuskeln in den Vorgang involviert.

Straffe Haut durch Küssen

Die vielen Bewegungen straffen die Haut, was den Schluss erlaubt, dass Küssen nicht nur gesund und glücklich macht, sondern auch faltenfrei – und auf Dauer schlank: Ein einziger Zungenkuss verbrennt zwölf Kalorien, haben Forscher errechnet. Aber warum küssen wir? Immerhin genießen 90 Prozent der Erdenbewohner diesen feuchten Zuneigungsbeweis. Sigmund Freud vertrat noch die These, das Küssen sei ein angeborener Instinkt, resultierend aus dem Verlangen des Neugeborenen, von der Mutter gestillt zu werden.

Küssen für die Virenabwehr

Der Verhaltensforscher Iwan Pawlow hingegen ging davon aus, Küssen sei ein gelerntes Verhalten. Der Mund-zu-Mund-Kontakt als willentlicher Ausdruck der Liebe. Vor allem stärkt das Küssen die Abwehrkräfte. Aus genau diesem Grund sah die US-amerikanische Biologin Sarah Woodley in dieser intimen Zärtlichkeit ein probates Mittel zur Partnerwahl. Anhand verschiedener Studien konnte sie belegen, dass der Kuss eine Art Immunkontrolle des potenziellen Partners ist. Immerhin codieren bestimmte Merkmale, wie immunaktiv unser Gegenüber ist. Diese Gene können beim Küssen über unseren Geruchs- und Geschmackssinn wahrgenommen werden. Je stärker sich die MHC-Gene des anderen von unseren eigenen unterscheiden, desto anziehender wirkt er auf uns. Ist der Partner gegen andere Krankheiten immun als wir selbst, desto größere Überlebenschancen hat der Nachwuchs.

Eigenschaften schmecken

Eine andere Forscherin fand ebenfalls Gründe dafür, warum Küssen ein wichtiger Beitrag bei der Partnersuche sei. Helen Fisher, Anthropologin aus New Jersey, teilt die Menschen in vier Charaktere auf: in die aufbrausenden Dopamin/Norepinephrin- und die ausgeglichenen Serotonin-Typen, die sachlichen Testosteron- und die treu sorgenden Östrogen-Oxytocin-Charaktere. Eine Onlinestudie mit 40 000 Teilnehmern ergab, dass die risikofreudigen Menschen ihresgleichen bevorzugen, dasselbe gilt für die Serotonin-Charaktere. Alleine die durch Östrogen und Testosteron Gesteuerten suchen sich häufig entgegengesetzt veranlagte Partner. Fishers These besagt, dass Menschen die Eigenschaften des anderen aus dem Speichel herausschmecken können. Ob es stimmt? Wissen wir nicht. Fest steht: Küssen macht glücklich, umso mehr, wenn wir dabei den Richtigen finden.