Immer im Takt

Am Abend vor dem Langlauf Schnupperkurs unternehmen wir eine Fackelwanderung. Dunkel und geheimnisvoll, ja fast etwas unheimlich, sieht der große Achensee nach Einbruch der Dunkelheit aus. Wir sind unterwegs durch die Ortschaft Pertisau.

Die Landschaft links und rechts vom Weg sieht wie überzuckert aus. Der Schnee glitzert im Schein unserer Fackeln. Zurück am Hotel stellen wir uns mit Glühweinbechern um ein kleines Feuer, das die Hotelmitarbeiter für die Gäste entfacht haben.

Während anderswo in Tirol zur Hauptskisaison Bässe von Après-Ski-Musik durch die Frühabendluft wummern, ist es in Pertisau wunderbar still. Dabei sind die Möglichkeiten für Wintersport hier durchaus vielfältig. Beinahe 50 verschiedene Sportarten können Besucher ausüben. Neben Winterspaziergängen sind das zum Beispiel Rodeln, Schneeschuhwandern und Winterreiten.

Berühmt allerdings ist die Region rund um den Achensee, der mit zehn Kilometern Länge Tirols größter See ist, für den Langlauf. Erfunden wurde das Langlaufen zwar in Skandinavien, doch von Pertisau aus verbreitete es sich schließlich in den österreichischen Alpen. Die Pertisauer Skischule Leithner hat nämlich in den 1970er-Jahren den ersten offiziellen Lehrplan für Langlaufunterricht entwickelt. Heute ist die Region Achensee mit mehr als 200 Loipenkilometern eines der bekanntesten und bedeutendsten Langlaufzentren Tirols.

Im Schneepflug hinab

Wo also könnte man besser einen Langlaufschnupperkurs besuchen als bei eben jener Skischule. Für das richtige Paar Langlaufski sind unter anderem Körpergröße und Gewicht entscheidend. Die Anfängerschuhe haben eine stabile Sohle und liegen relativ eng am Knöchel. Mit ihnen kann man zwar keine großen Schritte machen, aber das ist am Anfang ohnehin nicht das Wichtigste. Sich überhaupt auf den Skiern zu halten, erweist sich nämlich schon als Herausforderung: Kaum an den Füßen, schwupp, rutschen sie ohne eigenes Zutun nach vorne.

Zum Glück gibt es Hans, den geduldigen Skilehrer. Er schickt uns erst einmal aufs Übungsfeld, wo wir sechs Anfänger ein Gefühl für die Skier und für das Gleiten entwickeln sollen – das funktioniert irgendwann ganz gut. Da es auch beim Langlaufen Hügel zu bewältigen gilt, gibt uns Skilehrer Hans seine nächste Lektion auf einer Anhöhe. Im Schneepflug – dabei bilden die Skier ein V – sollen wir mit angewinkelten Knien hinabfahren. „Den Po schön nach unten“, ruft Hans von unten hoch. Und los geht’s. Der eine oder andere landet unterwegs im Schnee, doch die meisten kommen aufrecht unten an. Dann müssen wir den kleinen Berg wieder hinauf – seitlich im Parallelschritt oder, indem man – die Skier abwechselnd kurz anhebend – hinaufstapft.

Hütte auf den Bergen im Winter

Gespurte Loipen

Irgendwann findet Hans, dass wir so weit sind, und bricht mit uns auf. Unser Ziel ist die Falzthurnalm. Bis wir auf gespurten Loipen fahren können, müssen wir uns erst einmal einen Weg durch frischen Tiefschnee bahnen. Eine wunderbare Gelegenheit, die schöne Landschaft zu genießen, aber auch kräftezehrend. Als wir auf den gespurten Loipen fahren, werden wir nicht nur von Skatern in rasantem Tempo überholt, auch geübte, klassische Langläufer ziehen mühelos an uns vorbei. Doch Grund zur Eile haben wir ja nicht. Mit roten Wangen schnaufen wir also durch und kämpfen uns das letzte ansteigende Stück hoch, das uns zur Falzthurnalm bringt. Nach einer Pause mit heißer Schokolade, köstlicher Hühnersuppe und Knödeln machen wir uns auf den Rückweg.

Wieder in Pertisau schnallen wir die Skier ab und laufen das kleine Stück von der Skischule zum Travel Charme Fürstenhaus Am Achensee. Ja, wir spüren, dass beim Langlauf viele Muskelgruppen beansprucht werden: Es zwackt in den Oberschenkeln und zieht in den Schultern. Also schnell in den Wellnessbereich des Hotels, die Saunen und Pools bewirken wahre Wunder bei müden Gliedern. Und nach einer ausgiebigen Rückenmassage fühlen wir uns völlig entspannt, atmen tief durch und denken: Ja, Langlauf am Achensee ist wirklich wunderbar und wir kommen garantiert wieder.