Die Beautyexpertin und Gründerin von „Vinoble Cosmetics“ Luise Köfer spricht über Männerkosmetik, gesunde Männerhaut und das neue Beautybewusstsein.

Frau Köfer, es heißt es ja immer, Männern würde das Älterwerden mit Falten und -grauen Haaren gut stehen. Warum brauchen sie da überhaupt Kosmetikprodukte?

Bei der Männerkosmetik geht es ja nicht unbedingt nur ums Anti Aging. Viel wichtiger ist doch eine gesunde Haut. Die Sonneneinstrahlung ist nun einmal heute viel intensiver und Melanome und andere Hautkrankheiten nehmen zu. Cremes mit Lichtschutzfaktor können hier vorbeugen. Und auch wenn das Älterwerden den Männern vielleicht gut steht, spricht ja nichts dagegen, dass sie gepflegt altern.

 

Nun sehen Sie den Bedarf für Kosmetikprodukte bei Männern – aber sind die meisten Männer nicht immer noch Kosmetikmuffel?

Nein, das ändert sich gerade sehr. Tatsächlich erleben wir einen massiven Anstieg der Nachfrage. 40 Prozent unserer Produkte sind Männerkosmetik, nur einmal zum Vergleich: 2008 waren es nicht einmal fünf Prozent. Gerade die jungen Männer ab 30 Jahren achten heute sehr auf ihr Äußeres und pflegen sich intensiv. Sie lassen sich etwa die Augenbrauen in Form zupfen oder enthaaren sich regelmäßig. Und sie gönnen ihrer Gesichtshaut auch Kosmetik, inklusive regelmäßiger Peelings und Masken.

 

Warum brauchen Männer eigentlich eine eigene Kosmetikserie? Könnten sie nicht auch Frauenprodukte verwenden?

Männerhaut hat andere Bedürfnisse als Frauenhaut. Männer haben hormonell bedingt eine dickere Haut. Bei ihnen ist deswegen zum Beispiel ein Reinigungsgel besser als eine Reinigungsmilch, denn es reinigt einfach intensiver. Außerdem beruhigt es die Haut nach dem Rasieren. Bei einer Pflegecreme für Männer ist es besonders wichtig, dass sie Radikalfänger enthält, gerade wenn sich der Mann viel draußen aufhält, beim Sport etwa.

 

Trotzdem ist die Produktpalette für Männerkosmetik noch recht klein. Für Frauen gibt es auf den jeweiligen Hauttyp abgestimmte Tonics, Fluids und Cremes – für Männer dagegen häufig nur eine Sorte Gesichtscreme. Weist Männerhaut nicht so viele verschiedene Eigenschaften auf?

Doch, es gibt die gleichen Unterschiede und Hauttypen wie bei Frauen. Eine Hautdiagnostik ist deshalb wichtig. Solche mit empfindlicher Haut neigen zum Beispiel oft zu Pusteln nach dem Rasieren. Hier hilft ein Fluid, das nach der Rasur aufgetragen wird und die Haut beruhigt. Oder sie haben unreine Haut – dafür haben wir bei Vinoble beispielsweise ein Produkt mit Natursteinöl, das wirkt antibakteriell und entzündungshemmend und der reine Getreidealkohol darin kühlt die Haut. Und gegen trockene Haut wirkt ein Serum, das wir gerade ganz neu entwickelt haben, mit veganen Stammzellen aus dem Rebstock. Die Ampulle schützt vor UV-Schäden und die Rotwein-Tannine straffen auch noch die Haut.

 

Woran erkennt man seinen Hauttyp?

Ausgebildete Kosmetikerinnen erkennen das bei der Hautdiagnose und der ersten Behandlung. Doch auch Männer können beobachten: Glänzt die Haut morgens? Erscheint sie unrein? Gerade bei Männern mit großporiger Haut, Mischhaut und trockener Haut ist regelmäßige Pflege besonders wichtig.

 

In welchem Alter sollten Männer mit Gesichtskosmetik beginnen?

So früh wie möglich, am besten ab 25. Schon junge Männer sollten Cremes, die gegen UVA- und UVB-Strahlen schützen, verwenden. Auf diese Weise beugt man auch den kleinen roten Äderchen – Couperose – und Pigmentschäden vor, die oft im Alter in Erscheinung treten. Idealerweise sollten auch Männer alle vier Wochen – mindestens aber einmal pro Quartal – zur Kosmetikbehandlung gehen.

 

Denken Sie, dass manche Männer sich nicht trauen, Beautyprodukte zu benutzen, damit sie nicht zu weich erscheinen?

Das mag teilweise noch so sein. Aber dass Männer auf sich achten, ist ein Trend, der sich in den kommenden Jahren weiter verstärken wird, da bin ich mir sicher. Die Produkte für Männerkosmetik werden mehr werden. Was spricht denn auch dagegen, dass ein Mann gepflegt aussieht? Gerade Manager, Männer in Führungspositionen oder solche, die allgemein viel Kundenkontakt haben, wirken mit einem frischen Aussehen tatkräftiger und vitaler. Hier rate ich gern zu unserem Augengel – regelmäßig angewendet, sieht man damit frisch und ausgeruht aus.

 

Interview: Cornelia Wolter

Bild: goodluz – Fotolia