Bergwandern: Im Naturpark Karwendel nimmt man sich Zeit und entdeckt so manch ein Murmeltier

Von schroffen Felsen über dichten Wald bis zu sanften Almwiesen, vom Rauschen des Windes über den Duft des Regens im Moos bis zur Farbenpracht der Blumen und Sträucher – im Naturpark Karwendel entfaltet sich der volle Zauber der Natur. Der 1928 gegründete Naturpark zählt nicht nur zu den ältesten Naturparks Europas, er ist der größte in Österreich und gehört zu den unberührtesten alpinen Landschaften. Seine Orte tragen Namen wie Wolfsklamm, Mondscheinspitze oder Großer Ahornboden – und märchenhaft gestaltet sich auch so manche Wanderung.

Vielfalt an Flora und Fauna

Etwa 1 305 Pflanzen- und mehr als 3 035 Tierarten gedeihen in dem insgesamt 727 Quadratkilometer großen Gebiet. Während die Schönheit der Natur offensichtlich ist, erschließt sich die Vielfalt von Flora und Fauna manchmal erst so richtig, wenn ein Profi zugegen ist. Sebastian Pilloni ist ein solcher Profi, er arbeitet das ganze Jahr hindurch als Ranger im Naturpark.

 

Geduld statt Tempo

„Jeden Montag bieten wir Wanderungen an, auf denen wir so richtig in die Natur eintauchen“, sagt der Ranger. Aber anders als bei den anderen Wanderungen geht es bei ihm gemütlich zu. „Im zügigen Tempo würde man unsere Runde in einer Stunde schaffen, wir brauchen dafür dreieinhalb Stunden.“ Tempo ist hier nicht gefragt, stattdessen Geduld, Zurückhaltung und der Blick durchs Fernglas: So lassen sich im Frühsommer Spechte beobachten, während man in höheren Lagen mit etwas Glück die scheuen Birk- und Schneehühner entdecken kann. Mit seinen alten Baumbeständen, Wildflüssen und Quellen lockt der Naturpark besonders viele Vögel an. Auch der „König der Lüfte“ fühlt sich hier offenbar sehr wohl.

Steinadler kreisen am Himmel

Wenn sich der Steinadler scheinbar mühelos in den Himmel schraubt und in weiten Kreisen durch die Luft gleitet, dann plötzlich aus einem Kilometer Höhe die Bewegung eines Beutetieres wahrnimmt und mit 200 Stundenkilometern zu Boden schießt – dann ist das für viele Besucher der Höhepunkt ­einer Wanderung. Natürlich gibt es keine Garantie, tatsächlich einen Stein­adler zu sichten. Aber die Chancen stehen doch sehr gut – besonders auf einer der speziellen Stein­adler-Wanderungen.

Die majestätischen Steinadler, deren Flügel-Spannweite zwei Meter erreichen kann, finden im Naturpark ein ideales Terrain, um ihre Horste anzulegen. Hier können sie ungestört leben und jagen. „Hier leben 21 Steinadlerpaare, das ist eine der höchsten Dichten in den Alpen“, sagt Sebastian Pilloni. Aber auch Murmeltiere, Rehe, Steinböcke, Hirsche und Gämsen bewohnen den Naturpark. Letztere kommen im Frühjahr gern bis ins Tal hi­nunter, um sich am frischen Gras zu stärken, während sie im Sommer am steilen Fels zeigen, wie gut sie klettern können.

Steinböcke an der Mondscheinspitze

Die Steinböcke kann man besonders gut an der Mondscheinspitze beobachten – an diesem zentralen Berg lebt ein etwa 50 Tiere starkes Rudel, die größte Population des Karwendels. Der schroffe Gipfel mit dem poetischen Namen ist ohnehin eine Wanderung wert – die allerdings deutlich anspruchsvoller und anstrengender ausfällt als die Montagswanderungen mit den Rangern.
Auch so manche Pflanze will bewundert werden. Wie der „Goldene Frauenschuh“, eine seltene und kapriziöse Orchideenart. „Sie ist eine echte Diva: Nur wenn der Boden mit einem bestimmten Pilz versehen ist, kann der Samen keimen. Und bis die Pflanze erstmals blüht, können 14 Jahre vergehen“, sagt Pilloni. „In unser wirtschaftsgetunten Welt lehrt uns die Pflanze, einmal wirklich zu entschleunigen.“

Übernachtungstipp:

Travel Charme Fürstenhaus Am Achensee, mehr Informationen unter
www.travelcharme.com/hotels/fuerstenhaus-am-achensee

Text: Judith Hyams

Foto: Achenseetourismus