Rosenstadt Putbus ist die jüngste Stadt mit dem ältesten Seebad Rügens. Moderne und Vergangenheit, Natur und Kultur treffen hier aufeinander.

Wohin das Auge auch schaut, strahlen weiße Prachtbauten. Vor jedem Gebäude ragen rot blühende Rosenstöcke empor. Bei der Gründung der Stadt ordnete Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus an, dass die Häuser weiß gestrichen und vor den Fassaden Rosen gepflanzt werden sollen. Das erklärt, warum der im Jahr 1997 staatlich anerkannte Erholungsort noch heute den Beinamen „Weiße Stadt“ und „Rosenstadt“ trägt. Im Jahr 1810 wurde die jüngste Residenzstadt des Nordens im Stil des Klassizismus zum Kur- und Badeort ausgebaut. Damit schuf er eine Planstadt mit einem einzigartigen Stadtensemble aus Architektur, Kunst und Landschaft. Heute steht es unter Denkmalschutz – und lädt auf eine Zeitreise ein.

Ausgangspunkt für einen fürstlichen Spaziergang ist der Circus. Hier dreht sich der Blick im Kreis: Die Häuser sind perfekt hinter dem Oktagon angeordnet – alles wirkt streng gegliedert und piekfein. Das Vorbild dieses Prachtplatzes liegt im englischen Badeort Bath. Doch fast möchte man meinen, dass der Circus Putbus mit seinen weißen Bauten und seiner sternförmigen Gartenanlage
sogar noch mehr überzeugt als das Original.

Häuser für das gehobene Bürgertum

Im Jahr 1828 angelegt, gilt der Circus als letzter einheitlich ausgeführter Rondellplatz Deutschlands. In seiner Mitte erstreckt sich ein 21 Meter hoher Obelisk in den Himmel. Gesäumt wird der gezirkelte Platz, auf dem sämtliche Straßen zusammenlaufen, von klassizistischen Gebäuden. Das größte ist das ehemalige Pädagogium zu Putbus. Die anderen majestätischen Häuser hat man für das gehobene Bürgertum, insbesondere für die Lehrer des Königlichen Pädagogiums, errichtet. Einige Nachfahren der Familie zu Putbus leben heute noch darin. Vom Circus aus spazieren wir entlang der Alleestraße zum Marktplatz. Schnell fällt der Blick auf das Theater. Einst Versammlungsort der feinen Welt, gehört es noch immer zu den schönsten Bühnen des Landes. Beim Rundgang über den Markt lohnt sich ein Abstecher in die nordöstlich verlaufende August-Bebel-Straße mit ihren schmucken Handwerkerhäusern. Danach folgen wir weiter westlich der schnurgeraden Alleestraße zum Wildgehege, in dem ganzjährig Rot- und Damwild grast.

Märchenhafter Schlosspark

Vom Freigehege aus führt der Weg in östliche Richtung in den Schlosspark im englischen Stil. Obwohl das Schloss bereits 1964 abgetragen wurde, beherbergt der Park immer noch einige Bauten der ursprünglichen Anlage, wie den Marstall, die Orangerie, die Kirche oder das Mausoleum. Flanieren Sie bis zum Schwanenteich: Hier befinden sich die Terrassen mit Pergola und die Treppen zum See, die einzigen erhaltenen Überreste des Schlosses. Bei einem Rundgang um den Teich werden Sie auch die versteckten Schönheiten des blühenden Parks entdecken. Neben den mit Laubbäumen besetzten Hügeln, Zedern und Tulpenbäumen wachsen dort auch Ginkgobäume und ein eindrucksvoller Mammutbaum. Geben Sie jedoch acht, dass Sie sich nicht verlaufen: Knapp zwölf Kilometer lang sind die märchenhaften Wege.

Weiter geht es in nördlicher Richtung zur Orangerie, in der einst exotische Pflanzen überwinterten. Heute finden in der Orangerie wechselnde künstlerische Ausstellungen statt. Bei Frischverliebten ist die Orangerie übrigens beliebt: Paare dürfen sich nämlich vor der prachtvollen Kulisse ihr Jawort geben. Der einstige Garten für Zitrusfrüchte lädt in idyllischem Ambiente mit Springbrunnen und verglasten Arkadenbögen zum Verweilen ein. Von der Orangerie laufen wir auf der Alleestraße zurück zum repräsentativen Zentrum der Stadt – dem Putbusser Circus. Von hier sind es nur wenige Meter bis zum „Rosencafé“ in der Bahnhofstraße, dessen hausgemachte Torten Tradition haben.

Alles auf dem Kopf

Auf dem Weg nach Lauterbach kommen wir an einer Kuriosität vorbei. Das Haus „Kopf-Über“ steht im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf. Wer interessiert ist, darf sich das Haus gerne von innen ansehen. Hier ist allerAußergewöhnlichesdings Balancevermögen gefragt. Nicht nur der Fußboden ist schief; auch die Möbel stehen nicht dort, wo sie sich für gewöhnlich befinden.
Von hier aus sind es nur noch zwei Kilometer bis ins ehemalige Fischerdorf Lauterbach – heute ein Ortsteil von Putbus. In Lauterbach wurde 1816 das erste pommersche Seebad gegründet. Und mit der Errichtung des Badehauses Goor gelangte auch die Bäderarchitektur auf die Insel.

Fahrt im „Rasenden Roland“

Bekannt ist Lauterbach zudem für seinen malerischen Hafen und die wunderschönen Sonnenuntergänge. Wem nun der Sinn nach frischem oder geräuchertem Fisch steht, der ist gut auf dem Räucherschiff „Berta“ aufgehoben. Eine der schönsten Arten, um die Fürstenstadt wieder zu verlassen, ist die Fahrt mit dem „Rasenden Roland“. Seit 1895 zuckelt die Schmalspureisenbahn mit rund 30 Kilometern pro Stunde über die Insel. Täglich dampft der Zug von Putbus über Binz, Sellin und Baabe bis nach Göhren. Eine nostalgische Fahrt durch die idyllische Insellandschaft beendet unsere Zeitreise durch Putbus ebenso fürstlich, wie sie begonnen hat.

TEXT: ANTJE WALDSCHMIDT