Schon wenn das Segelschiff unter Motor leise knatternd aus dem Rostocker Hafen fährt, stellt sich das erhabene Freiheitsgefühl ein, das man wohl nur auf dem Wasser verspürt. Etwas weiter draußen heißt es dann: Alle Mann anpacken! Die Crew achtet darauf, dass alles glattläuft, und mit geblähten Segeln nimmt das Schiff Fahrt auf. Einen Schnuppertörn wie diesen bieten viele Schiffseigner Besuchern während der Hanse Sail an.

So auch die Schonerbrigg „Greif“, die bis zu 50 Tagesgäste an Bord nehmen kann. Sie ist das einzige Schiff, das schon seit 1991, als die Hanse Sail noch Hanseatische Hafentage hieß, dabei ist. Seit dem Jahr 2000 ist Wolfgang Fusch Kapitän der „Greif“, doch schon davor gehörte er viele Jahre zur Crew. Die 15 Segel des Schiffs werden von der sieben Mann starken Stammbesatzung und den mitsegelnden Gästen bedient. „Das Schiff wurde als Schulschiff gebaut – das ist das Besondere“, sagt Fusch und man hört ihm den Stolz auf seine „Greif“ in der Stimme an. Der Zweimaster ist wetterfest und hat erstklassige Segeleigenschaften.

Historische Hansestadt

Erbaut wurde die Schonerbrigg bereits 1951. Als „Wilhelm Pieck“ war sie mit Segelschülern auf der Ostsee und im Schwarzen Meer unterwegs. Nach der Wende ging sie in den Besitz der Hansestadt Greifswald über und wurde auf den Namen „Greif“ getauft. Von April bis Oktober können sich nun pro Törn bis zu 30 Mitsegler für mehrtägige Touren auf der Ostsee anmelden.

Doch zur Hanse Sail im August liegt die „Greif“ natürlich in Rostock und kann besichtigt werden. Zwar sind die Regatten der Traditionssegler am Wochenende der Höhepunkt. Doch bei der Hanse Sail geht es nicht in erster Linie darum, Rennen zu gewinnen: Hier sollen vor allem Menschen fürs Segeln begeistert werden. Rund 300 Windjammer, Traditionssegler und Museumsschiffe sind hier zu sehen, jährlich kommen etwa eine Million Besucher. Großsegler wie die imposante „Kruzenshtern“ sind natürlich besonders spektakulär. Doch auch kleinere Schiffe wie der Seitenraddampfer „Freya“ oder historische Boote sorgen für staunende Augen.

Kruzenshtern Ostsee

Der Schifffahrt und dem Handel hat Rostock seine große wirtschaftliche Bedeutung ab dem Mittelalter zu verdanken. Schon 1323 kaufte die Stadt das kleine Fischerdorf Warnemünde, sicherte sich so den Zugang zur Ostsee und damit einen wichtigen Handelsweg. Die historischen Kaufmannshäuser in der Rostocker Altstadt zeugen von dieser finanziell einträglichen Vergangenheit. Sehenswert ist etwa das Hausbaumhaus in der nördlichen Altstadt. Das Giebelhaus wurde 1490 erbaut und ist eines der ältesten erhaltenen Kaufmannshäuser aus der Hansezeit.

Abstecher nach Warnemünde

Dass Rostock damals schon auf der Höhe der Zeit war, wird nicht nur durch die frühe Gründung einer Universität (1419) deutlich, das beweist auch die Astronomische Uhr aus dem Jahr 1472, die bis heute funktionstüchtig ist und in der Marienkirche besichtigt werden kann. Das Besondere: Die 24-Stunden-Uhr zeigtauch die Mondphasen, den Sonnenstand und die Tierkreiszeichen an.

Im Anschluss an einen Besuch der Kirche bietet sich ein Bummel durch die Einkaufsmeile Kröpeliner Straße, kurz „Kröpi“, an. Hier schlendern Studenten, Familien und Touristen gemeinsam entlang. Wem der Sinn nach etwas Ruhe steht, findet diese im nahe gelegenen Hof des Klosters zum Heiligen Kreuz. Die Außenplätze des Hofcafés sind besonders im Sommer ein schöner Ort, um eine Pause einzulegen. Im Kloster selbst ist das Kulturhistorische Museum Rostock untergebracht.

Wer die Hansestadt besucht, sollte sich Warnemünde nicht entgehen lassen. Mit der S-Bahn dauert es nur eine knappe halbe Stunde und schon ist man am Meer. Das Seebad ist berühmt für seinen Hafen und seinen langen, weißen Strand. Einen besonders schönen Blick hat man vom 31 Meter hohen Leuchtturm, dem Wahrzeichen Warnemündes, 1898 in Betrieb genommen. Wer die 135 Stufen in die obere Galerie nicht scheut, kann sich dort die salzige Meeresluft um die Nase wehen lassen und einen phänomenalen Ausblick auf das Seebad genießen.

Munch in Warnemünde

Auch der Künstler Edvard Munch suchte ab 1907 in Warnemünde Erholung. Sein 18-monatiger Aufenthalt, im Rahmen dessen Werke wie „Badende Männer“ oder die Serie „Das grüne Zimmer“ entstanden, geriet beinahe in Vergessenheit. Erst nach der Wende wurde das einfache Fischerhaus, in dem er wohnte, als Edvard-Munch-Haus unter Denkmalschutz gestellt. Heute finden hier Ausstellungen und Lesungen statt.

Evard Munch selbst erholte sich tatsächlich in Warnemünde: „Meine Nerven sind aber viel besser – die Seeluft hat gut gethan …“, schrieb er 1907 in einem Brief. Etwas Besseres kann sich ein Urlauber doch gar nicht wünschen.

 

Text: Cornelia Wolter