Gesunder Schlaf ist wichtig – im Interview erklärt der Psychologe und Schlafforscher Dr. Tilmann Müller das Geheimnis für einen erholsamen Schlaf. Außerdem verraten wir Ihnen auch noch wertvolle Tipps, damit Sie auch im Urlaub erholsam schlafen.

Dr. Müller, erholsam zu schlafen ist enorm wichtig, das hört man immer wieder. Aber warum eigentlich?


Die entscheidende Frage, warum der Mensch schläft, ist bis heute unbeantwortet. Untersuchungen zeigen, dass Patienten mit chronischen, nicht organisch bedingten Schlafstörungen nicht häufiger krank werden als Menschen mit einem gesunden Schlaf. Der Körper scheint den Schlaf also nicht zu brauchen. Aber die Psyche braucht ihn.

Warum ist ein erholsamer Schlaf so wichtig?

Wer schlecht schläft, neigt eher zu depressiven Verstimmungen. Man kann also sagen: Eine gute Nachtruhe ist wichtig für die Vitalgefühle, für die Lust am Leben.

Was genau passiert im Körper, während wir schlafen?


Der Schlaf ist eine Mischung aus unterschiedlichen Aktivitäts- und Passivitätszuständen. Viele unserer geistigen Funktionen sind heruntergefahren, aber nicht ganz abgeschaltet. Das Gehör arbeitet zum Beispiel auch nachts im Tiefschlaf.

Wie viele Stunden Schlaf braucht der Mensch im Schnitt?

Statistiken zeigen, dass Menschen, die sieben Stunden schlafen, die längste Lebenserwartung haben. Letztlich lässt sich das Schlafbedürfnis aber nicht verallgemeinern, es ist stark genetisch bedingt. Goethe und Einstein zum Beispiel brauchten zehn bis elf Stunden Schlaf, Napoleon und Edison kamen mit fünf Stunden aus.

Was sind Ihre Tipps für eine gute Nachtruhe?

Das Wichtigste ist Regelmäßigkeit. Jeden Abend zur selben Zeit ins Bett gehen, jeden Morgen zur selben Zeit aufstehen – das ist das Beste, was man tun kann. Aus diesem Grund haben besonders Nonnen einen festen, tiefen Schlaf. Weil sie über Jahre hinweg denselben Takt befolgen und nicht am Wochenende auf Partys gehen.

Tipps für einen erholsamen Schlaf im Urlaub

Worauf sollte man besonders im Urlaub achten?

Man sollte es sich vor allem gutgehen lassen. Langschläfer können, wenn sie nicht unter Schlafstörungen leiden, ruhig mal ausschlafen. Wichtig ist nur, sich rechtzeitig vor Urlaubsende wieder dem normalen Arbeitsrhythmus anzunähern. Sonst gibt es im Alltag Probleme mit dem Einschlafen.

Was sind die gängigsten Irrtümer?

Weit verbreitet ist die Annahme, Alkohol sei gut für den Schlaf. Das ist falsch. Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, die Schlafqualität wird aber beeinträchtigt, das Durchschlafen erschwert. Wichtig ist auch, nicht zu spät zu essen oder gar Kaffee zu trinken. Und auch Sport ist nicht immer hilfreich. Zwischen körperlicher Betätigung und dem Zubettgehen sollten mindestens drei Stunden liegen – damit der Körper genug Zeit hat, um „herunterzufahren“.

Dr. Tilmann
 Müller ist Diplom­-Psychologe, Psychotherapeut, Somnologe und ausgebildeter YogalLehrer. Bis 2014 arbeitete er als stellvertretender Leiter der Sektion Schlafmedizin am Universitätsklinikum Münster.