Neue Lektüre für den Urlaub

Endlich wieder Schmökerzeit! Wir haben drei neue Bücher für die schönsten Wochen des Jahres für Sie gelesen:

Thriller: Geruch des Todes

Der sechste Teil der David-Hunter-Reihe ist spannend und wendungsreich

Empfindlich darf man nicht sein, wenn Bestsellerautor Simon Beckett seinen forensischen Anthropologen ins Feld schickt: Da kriechen Maden, riecht es nach Verwesung und wird di Arbeit an Leichen detailliert und sachlich geschildert. „Die ewigen Toten“ ist der sechste Band der David-Hunter-Reihe. Es ist ein spannender Thriller mit vielen Gruselabschnitten und überraschenden Wendungen. In dem stillgelegten Londoner Krankenhaus St. Jude wird eine mumifizierte Leiche gefunden. Bei dem Versuch, diese in dem stickigen, von Fledermäusen bevölkerten Dachboden zu bergen, geschieht ein Unfall, der die Ermittler zu weiteren unheimlichen Entdeckungen führt: Was ist in diesem Krankenhaus bloß geschehen?

Hohes Erzähltempo

Hunter ist ein sanftmütiger Mann, der seinen Mitmenschen gerne hilft. Das ist auch seine größte Schwäche, denn so gerät er immer wieder in heikle Situationen. So auch dieses Mal, als er in der Nähe des Krankenhauses der grantigen Lola begegnet, die aufopferungsvoll ihren kranken Sohn pflegt. Becketts ruhiger Romanheld hat keine Allüren, dafür geschieht um ihn herum umso mehr: Explosionen, Messerangriffe, Morde. Beckett vermag es meisterhaft, sein Erzähltempo zu variieren und eine gute Balance zwischen Spannung und Entspannung zu schaffen. (cwo)

„Die ewigen Toten“: Simon Beckett, Wunderlich, 480 S., 22,95 Euro

Generationenroman: Trio in Turbulenzen

Drei Frauen aus drei Generationen kämpfen mit den gleichen Problemen

Dacia Marainis Roman „Drei Frauen“ ist ein Kammerspiel. Großmutter Gesuina, ihre 40-jährige Tochter Maria und die 17-jährige Enkelin Lori leben zusammen in einer engen, kleinen Wohnung. Jede von ihnen würde lieber heute als morgen ausziehen – allein das Geld reicht nicht dafür. Dass Dacia Mariani, Feministin und Grande Dame der italienischen Gegenwartsliteratur, schon 82 Jahre alt ist, liest man ihrer Geschichte in keiner Zeile an.

Geheime Liebschaften?

Gerade Lori, die Jüngste, zeichnet sie überzeugend. Sie lebt ein trotziges Leben und nimmt sich, was sie will. Ähnlich hält es die starrsinnige Gesuina, die sich lieber ihren geheimen Liebschaften hingibt, als die typische Großmutter zu geben. Maria flüchtet sich immer wieder in die schöngeistige Welt der Lyrik und Literatur. „Drei Frauen“ liest sich federleicht. Als überraschend Marias französischer Freund François, mit dem sie seit Jahren eine Fernbeziehung unterhält, über Weihnachten in die kleine Familie kommt, ändert sich alles! (cwo)

„Drei Frauen“: Dacia Maraini, Folio Verlag, 180 S., 20 Euro

Lateinamerika-Roman: Geschichten aus der Mitte der Welt

Margit Mössmers Episodenroman ist wie ein Kaleidoskop, das immer neue Muster zeigt

Es beginnt mit einem Erdbeben und einem herrenlosen Pferd auf Jorge Oswaldo Munoz’ Finca. Verletzt und verwirrt steht der Gaul da, die Geier kreisen schon über seinem Kopf. Ein Zeichen für alles Ungemach, das die Helden des Romans auf den folgenden 340 Seiten ereilen wird? Schauplatz ist Quinindé im Nordwesten Ecuadors, eine immer feuchte und ebenso fruchtbare Gegend. Die einfachen Menschen leben vom Palmanbau und zeugen Kinder. Auch bei seiner Haushälterin Bélgica meint der pensionierte Arzt und Fabrikdirektor Jorge schon wieder einen Babybauch zu sehen. „Die Tage konnten lang werden, speziell die Sonntage ohne Kirchgang.“

Magische Geschichten

So taucht der Leser in das Leben etlicher Menschen aus „Mitad del Mundo“, der Mitte der Welt. Jorge ist ein Kümmerer, immer bemüht, alles im Griff zu haben. Wie auch seine Frau Julia, die mit allen Mitteln versucht, trotz Geldmangel die plantageneigene Schule am Laufen zu halten. Dann haben wir Catita, Jorges kapriziöse Schwester. Die geschiedene und inzwischen verarmte Millionärsgattin hat eine Vorliebe für rumhaltige Getränke – am liebsten kippt sie den Schnaps schon morgens im Tee. Catitas pfiffige Haushälterin Angélica spielt ebenso eine Rolle wie ihr treuloser Ehemann Rodolfo, der sich mit ein paar dürren Zeilen aus seiner Ehe verabschiedet, um als Sänger in einem abgehalfterten Urlaubsressort sein Glück zu versuchen. Oder Zorro, Ananaskönig und Jorges Mann für alles, der das Pferd schließlich am Hals hat und sich mit brutalen Gangstern anlegt. Der Roman ist wie ein Kaleidoskop, das bei jeder Wendung immer neue Muster erscheinen lässt. Ein Lesevergnügen! (kni)

„Palmherzen“: Margit Mössmer, Edition Atelier Wien, 243 S., 22 Euro