Slow Food für Genießer: Regionale und saisonale Küche schont die Umwelt und schmeckt gut

Die Anfänge des Slow Food

Mitte der 1980er-Jahre hat alles angefangen, und zwar in Italien, dem Mutterland der guten Küche. Dort hatte der italienische Food-Journalist und Soziologe Carlo Petrini eine Vereinigung als  Gegenbewegung zum Fast Food gegründet. Sein Ziel war es zunächst, die Esskultur in der norditalienischen Stadt Bra zu fördern. „Buono, pulito e giusto“ waren die Werte, auf die sich die Bewegung
stützte: gut, sauber und fair. Ursprünglich war die Bewegung eine Reaktion auf die mit Methanol verschnittenen Barolo-Weine, die den lokalen Winzern fortan ein schlechtes Image verpassten. Aber es gibt noch ein weiteres Ereignis, das gerne mal mit der Gründung von Slow Food in Verbindung gebracht wird: Im Sommer 1986 eröffnete an der berühmten Piazza Navona in Rom eine  McDonald’s- Filiale. Journalisten der Zeitung „Il Manifesto“ protestierten – und bauten an der Piazza di Spagna eine riesige Tafel auf und servierten dort Essen nach guter, alter italienischer
Tradition.

Riechen und genießen – am besten kauft man direkt vom Erzeuger

Inzwischen ist Slow Food zu einem internationalen Anliegen geworden. Alleine in Deutschland zählt die Organisation 13 500 Mitglieder. Es geht ihnen um artgerechte Viehzucht und um nachhaltige Landwirtschaft. Sie setzen sich für Lebensmittel ein, die unter fairen Bedingungen hergestellt werden. Die regionale und saisonale Küche erlebt einen Aufschwung. Gleichzeitig richtet sich Slow Food gegen Gentechnik und die Standardisierung von Geschmack und Lebensmitteln. „Die Vielfalt ist eben auch Ausdruck der unterschiedlichen Regionen, der unterschiedlichen Ernährungskulturen und
Traditionen auf der ganzen Welt“, sagt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland.

Genuss steht im Vordergrund

Slow Food predigt keinen Verzicht – der Genuss steht im Vordergrund. Und dieser beginnt bereits beim Einkaufen. „Wer die Chance hat, direkt vom Erzeuger zu kaufen, sollte das tun. Wer weiß, woher die Lebensmittel kommen, kann sie wertschätzen“, sagt Ursula Hudson. Nach dem Motto: Wer Ernährung ernst nimmt, hat am Ende mehr Freude am Essen. Denn genießen kann man nicht
nur Alba-Trüffel und Barolo. Was gibt es Schöneres als den Geruch von einer Handvoll Erdbeeren direkt aus dem Beet?

Text Kirsten Niemann