Snowbike fahren ist der Trendsport des Winters, denn selbst Anfänger können mit dem Schneefahrrad die Pisten hinunterfahren. Ein Selbstversuch mit dem österreichischen Weltrekordhalter Hermann Koch

Ich gleite mit dem Snowbike dahin. Werde immer schneller und schneller. Wie eine Staubwolke stiebt der Schnee unter meinen Skiern weg, als ich mich eng in die Kurve lege und an einem Skifahrer vorbeirausche. Der wirft einen ungläubigen, aber neidischen Blick auf mein Snowbike und schüttelt den Kopf, bevor ich in Richtung Tal verschwinde. Ich weiß, was er denkt. Nämlich genau dasselbe, was ich vor einer Stunde noch dachte: Auf diesem Höllengefährt die Piste runter? Geht das gut?

Snowbike nennt sich das Fahrrad, der sieben Kilogramm leichte Hightech-Flitzer bewegt sich auf zwei Carving-Skiern, unter die Füße werden noch zwei Mini-Skier geschnallt. Derzeit angeblich der heißeste Wintertrend in den Alpen. Und das Beste: Es ist viel leichter zu erlernen als Skifahren. Sagt zumindest der Snowbike-Lehrer.

Nach 30 Minuten geht es mit dem Snowbike auf die Piste

Mit Schaudern erinnere ich mich noch an meinen ersten Skikurs-Tag vor einigen Jahren, als ich mich ewig am Übungshügel abmühte. Und nun: eine neue Wintersportart, mit der man innerhalb von einer Stunde selbst schwarze Pisten meistern kann? Das klingt richtig gut.

Etwa 30 Minuten übe ich das Lenken und Bremsen mit dem Snowbike. Als das klappt, nehme ich übermütig die steilste Abfahrt in schwungvollen Kurven mit mindestens 50 Stundenkilometern – und lande unsanft im Schnee. „Du hast dein Gewicht falsch verlagert, du hast dich in der Kurve nach innen gelehnt“, sagt Hermann Koch und sieht etwas verzweifelt auf mich hinunter. Der Lehrer kurvt elegant und mühelos um mich herum. Schließlich ist er nicht nur der Mann, der den Trend auf die Piste brachte, als er 1997 die allererste Snowbike-Schule Österreichs eröffnete.

Ein Mann beim Snobiken

Der Geschwindigkeitsrekord beim Snowbiken liegt bei fast 150 Stundenkilometern – so schnell fahren Anfänger natürlich nicht. Foto: www.snowbike.com

Er hält auch drei verschiedene Weltrekorde im Snowbiking: Im Rückwärtsfahren nämlich, bei den meisten Höhenmetern (mehr als 32 000 in elf Stunden), und ja, er hat tatsächlich 33 Skigebiete in drei Tagen abgefahren. „Ich bin immer auf der Suche nach dem nächsten verrückten Ding“, sagt der 56-Jährige mit dem drahtigen Körper und der sportlichen Ausstrahlung eines 30-Jährigen. Verrückte Sachen also – wer das nicht glaubt, muss sich nur die Wände von Hermanns Snowbike-Schule ansehen: hier das Foto von seinem New-York-Marathon (Hermann: „Natürlich unter drei Stunden, ich habe einen Ruhepuls von 35“), dort das Cover seines letzten Südamerika-Abenteuer-Buches, dazu jede Menge Zeitungsausschnitte.

Selbst Pistenmuffel sind begeistert

Zugegeben, das Snowbike ist keine ganz neue Erfindung: Der Österreicher Engelbert Brenter entwarf 1949 den Skibob, ein fahrradähnliches Gefährt aus Holz, das damals sehr beliebt war, mit der Zeit aber in Vergessenheit geriet. Mit der heutigen Hightech-Variante hat es allerdings wenig gemein.

Ein Profi beim Snowbiken

Nichts für Anfänger: ein Profi mit dem Snowbike. Foto: www.snowbike.com

Weltrekordhalter im Snowbiken Hermann Koch

Weltrekordhalter Hermann Koch: „Ich bin immer auf der Suche nach dem nächsten berrückten Ding.“

Die trendige Alternative zum Skifahren begeistert selbst Pistenmuffel. „Meine Snowbike-Schüler sind entweder Leute, die keine Zeit haben, lange Skikurse zu besuchen – oder Menschen, die nicht mehr Ski fahren können, weil sie Knie- oder Rückenprobleme haben. Von ganz jung bis Anfang 70 ist alles dabei“, erklärt Hermann. Wenn es nach ihm geht, soll diese neue Wintersportart die ganze Welt erobern. Während unserer Mittagspause zückt er sein Smartphone und wischt sich durch das Fotoalbum: Hermann mit Bike auf der Chinesischen Mauer, Hermann mit 150 lächelnden chinesischen Skilehrern in roten Skianzügen. „Die Chinesen lieben das Snowbiken, weil es so leicht zu erlernen ist. Und im Vergleich zum Skifahren liegt die Verletzungsgefahr bei zwei Prozent“, sagt er.

Viel Spaß und wenig Risiko also. Das Gefühl, schnell die Piste herunterzucarven, fand auch ich ziemlich berauschend. Der Geschwindigkeitsrekord beim Snowbiken liegt übrigens bei fast 150 Stundenkilometern – aber das überlasse ich dann doch lieber den Profis.

Wenn Sie noch auf der Suche nach weiteren außergewöhnlichen Aktivitäten für diesen Winter sind, dann lassen Sie sich von unseren besten Wintersportaktivitäten ohne Skier inspirieren.

Text: Johanna Rüdiger
Bilder: www.snowbike.com

Snowbiken Ausprobieren

Achensee

In der ausgewiesenen Snowbike–Region bieten mehrere Skischulen Kurse an. Auch die Schischule Leithner in Pertisau: Schnupperkurs, dienstags 9 Uhr, 24 Euro pro Person.

Kleinwalsertal

Zweistündiger Snowbike-Kurs immer samstags ab 10 Uhr, 39 Euro pro Person.

Werfenweng

Mit dem Zipfelbob hat man im Salzburger Land mindestens genauso viel Spaß wie mit einem Snowbike.