Trend Winterwandern

Es ist ein Morgen wie gemalt. Der Himmel ist blau, die Landschaft unberührt und weiß, als hätte sie jemand in Watte gepackt. Unter den Schuhsohlen knirschen glitzernde Schneekristalle. Es ist so still, dass man den eigenen Atem hört. Was kann schon schöner sein, als zu Fuß und in aller Gemütlichkeit über verschneite Hänge oder gut präparierte Wege zu wandern? Probieren Sie es aus: Lassen Sie Ihre Skier einfach einmal stehen, schlüpfen Sie in Ihre Wanderschuhe oder schnallen Sie sich die Schneeschuhe an. Mit denen kommt man gut über steile Hänge, verschneite Felder und tiefen Schnee. Vergessen Sie aber nicht, ein wenig Proviant und heißen Tee in Ihren Rucksack zu packen – und auf geht’s!

Die Touren

Durch die Breitachklamm

Tief in den Fels eingeschnitten: Die Breitachklamm bei Oberstdorf ist ein Naturwunder – und eine der spektakulärsten Felsenschluchten im Alpenraum. Hohe Wasserfälle wechseln sich ab mit tiefen Wasserstrudeltöpfen. Der Winterfrost hat die Wasserfälle der Klamm erstarren lassen, die tosenden Wassermassen werden zu funkelnden Vorhängen aus eisigen Zapfen. Erst seit etwas mehr als 100 Jahren ist es überhaupt möglich, diese Schlucht über in den Fels geschlagene Wege zu durchwandern. Der Weg ist das ganze Jahr über von 9 bis 18 Uhr geöffnet und kostet vier Euro Eintritt.

Wir starten auf 824 Metern am Parkplatz des Gasthauses Breitachklamm. Hinter der Kasse halten wir uns rechts und erreichen nach wenigen Minuten die Schlucht. Auf schmalen Pfaden geht es an der Breitach entlang, bis man über eine Brücke die Seite wechselt. Nach einem sanften Anstieg und zwei Kilometern ist der obere Teil der Klamm erreicht. Auf der linken Seite der Breitach geht es weiter am Grenzgasthof Walserschanz vorbei. Nach 3 km überqueren wir die Schlucht über den Zwingsteg. Ein Pfad führt in Serpentinen durch den Wald hinauf auf 966 m Höhe. Wer keinen Proviant eingesteckt hat, sollte auf einen Abstecher in die Alpe Dornach einkehren. Hier gibt es zum Panoramablick aufs Nebelhorn eine Brotzeit mit Schinken und Hirschsalami. Nach 900 Meter sind wir wieder auf dem Parkplatz.

Strecke: 5,6 km, Dauer: 2,5 h

Zur Rofanspitze

Mehr als 150 Kilometer Winterwanderwege sind rund um den Achensee erschlossen. Winterwanderer haben hier also die Qual der Wahl. Die spektakulärsten Ausblicke genießen hier jedoch geübte Schneeschuhwanderer. Ein Highlight ist die Tour von der Erfurter Hütte bis zur Rofanspitze.

Die Wanderung beginnt erst einmal ganz gemächlich, nämlich mit der Rofanseilbahn, die uns auf 1 831 Kilo­meter zur Erfurter Hütte hinaufbringt. Hier heißt es: Schneeschuhe anschnallen und durchhalten! Denn gute Kondition ist erforderlich, wenn man das Gipfelkreuz erreichen möchte. Etwas mehr als drei Stunden sollte man für die 7,2 Kilometer lange Strecke insgesamt einplanen. Dafür müssen 511 Höhenmeter auf 2 253 Metern erklommen werden. Das bedeutet: Auch bei eisigen Temperaturen kommen Sie ganz schön ins Schwitzen. Doch ist man erst einmal oben angekommen, sind die Mühen des Anstiegs gleich Schnee von gestern: Der Blick auf den Großglockner, den Großvenediger, auf das ­Kaisergebirge und die Tuxer und Zillertaler Alpen werden schnell darüber hinweg­trösten.

Zurück geht es über denselben Weg – glücklicherweise bergab. Das macht mit Schneeschuhen an den Füßen ja besonders viel Spaß. Bei jedem Schritt wird noch ein bisschen nachgerutscht, dann sind die 511 Höhen­meter in einer halben Stunde absolviert. Doch Vorsicht: Wer sich zu weit nach hinten lehnt, wird fallen, wenn auch weich. In der Erfurter Hütte werden die nassen Füße wieder warm und trocken, während man sich den wohlverdienten Kaiserschmarrn schmecken lässt.
Foto: Achensee Tourismus

Strecke: 7,2 km
Dauer: mindestens 3 h

Höhenwanderweg Rossbrand

Ausgangspunkt für diese Höhentour ist die Bergstation Papageno. Fahren Sie mit der Kabinenbahn hinauf und freuen Sie sich auf einen der schönsten Aussichtsberge der Region. Vom Rossbrand-Gipfelkreuz genießt man einen freien Blick auf die Tauern, den ­Großglockner, den Sonnblick, den Großvenediger, aufs Dach­steinmassiv und das Ennstal-Gipfelkreuz. Oben auf dem Kamm angekommen, lassen Sie die Skihütte Schörgi Alm zunächst einmal links liegen. Von der Bergstation aus folgt man der Loipe rechts entlang in den kleinen Rundweg. Auf 8,6 Kilometern gilt es 180 Höhenmeter
zu bewältigen. Der Weg geht stets mäßig berg­auf, besonders anstrengend ist er also nicht. Über ein paar Serpentinen geht es bis zur Panoramakurve, von dort weiter hinauf bis zum Postfunkturm, wo schon die erste Aussicht wartet. Nach weiteren zweieinhalb Kilometern ist das Gipfelkreuz erreicht. Hier eröffnet sich ein Rundblick auf 150 Gipfel der Region. Der Rückweg erfolgt nach einer kleinen Schleife auf demselben Weg. Am Ziel wartet schon die Schörgi Alm mit ihrer Sonnenterrasse auf Sie.

Strecke: 8,6 km
Dauer: 3 h

Text: Kirsten Niemann

Foto: unsplashed / Dino Reichmuth