Der Kohl hat sich vom Arme-Leute-Essen zum Superfood entwickelt – mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen, die sich günstig auf unsere Gesundheit auswirken. Obendrein schmeckt er einfach gut!

Der Kohl – ein Star

Grünkohl – in Amerika plötzlich ein Star! Wenn Unkraut aus Italien kommt, hat es Glück gehabt. So hat es sinngemäß der Kabarettist Rainald Grebe einmal gesungen – und damit den damaligen Trendsalat Rucola gemeint. Das Modegemüse der Stunde heißt jedoch Grünkohl. Als „kale“ ist er nicht nur in den USA längst ein Thema in so vielen Blogs und Magazinen, dass manch ernährungs- und trendbewusster Esser hierzulande gar nicht glauben möchte, dass das in Smoothies oder als Chips gefeierte Gemüse doch wirklich „unser“ Grünkohl ist.

Vielseitig und gesund

„Tatsächlich standen da Leute vor dem Gemüseregal und bestanden stoisch darauf, doch keinen Grünkohl, sondern ‚kale‘ kaufen zu wollen“, erinnert sich Kochbuchautorin und Gemüsefachfrau Cathrin Brandes. Etwas Gutes aber hat der Hype: „Heute gibt es Grünkohl nicht nur mit Mettwurst und Pinkel, sondern auch blanchiert oder in der Pfanne geröstet.“
Auch hier gilt: Je länger man ihn kochen lässt, desto weniger Vitamine bleiben am Ende übrig. Grünkohl schmeckt sogar als Salat. Er liefert mit Kalium, Kalzium und Eisen wichtige Mineralien, zudem enthält er reichlich Vitamin C, was unser Immunsystem stärkt. Nicht zu vergessen ist auch das Folat, was wichtig für alle Wachstums- und Reinigungsprozesse des Körpers ist. „So gesehen hilft Grünkohl sogar gegen Falten, aber vor allem in den ersten Wochen der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung mit Folsäure wichtig“, sagt Verbraucherschützerin Angela Clausen.
Aber: Welcher Grünkohl ist nun der beste? Angela Clausen plädiert nicht ausschließlich dafür, den Kohl auf dem Markt oder direkt beim Bauern zu kaufen. „Bereits klein geschnittene und gewaschene Tiefkühlware ist ernährungsphysiologisch genauso gesund.“ Nicht zu empfehlen sei jedoch vorgewürzte Dosenware. Zumal diese oft Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe enthält.

Der Mythos vom ersten Frost

Und die Grünkohlsaison? Hat längst begonnen. Ohnehin ist die Geschichte vom ersten Frost ein Mythos: Länger anhaltende Temperaturen im einstelligen Bereich genügen, damit die Pflanzen mehr Zucker als Stärke produzieren und den gewünschten herzhaften Geschmack entwickeln. Es gibt es einen einfachen Trick: Zerreibt man eine Blattspitze zwischen den Fingerspitzen, sollte sie merklich süß schmecken.

Winterliche Rezepte rund um den Kohl (für 4 Personen)

Leckeres Gericht mit dem Superfood

Der Klassiker: Kasseler & Wurst

Zutaten
1 kg Grünkohl, 2 kleine Zwiebeln,
60 g Speckwürfel,
2 EL Butterschmalz,
150 ml Brühe, 2 EL Senf,
2 bis 3 Mettwürstchen und
2 bis 3 Scheiben Kasseler,
2 EL Haferflocken,
Salz, Pfeffer

So geht’s: Zunächst den Grünkohl gründlich putzen, blanchieren, kräftig ausdrücken und anschließend grob hacken. Zwiebeln und Speck in einem Topf in zerlassenem Butterschmalz ­anbraten. Nach 3 bis 5 Minuten den Kohl dazu­geben und kurz schmoren lassen.
Mit der Brühe ablöschen, Senf dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Nun alles 30 Minuten bei geschlossenem Deckel und geringer Hitze köcheln lassen. Mettwürstchen und Kasseler in den Kohl geben, weitere 30 Minuten köcheln ­lassen. Den Topf vom Herd nehmen und über Nacht ziehen lassen.
Am nächsten Tag das Fleisch herausnehmen. Den Grünkohl erhitzen und zum Andicken die Hafer­flocken einrühren. Zuletzt das Fleisch zum Erwärmen dazugeben. Mit Kartoffeln und Senf servieren.

Vegetarisch: Cremige Grünkohlsuppe

Vegetarische Grünkohlsuppe

Zutaten
200 g Grünkohl, 1 kg Kartoffeln,
1 Zwiebel, 1 EL Butter,
1 Lorbeerblatt, 500 ml Brühe,
300 ml Milch, Salz, Pfeffer,
Muskatnuss, Paprikapulver

So geht’s: Den Grünkohl gründlich waschen, putzen und in grobe Stücke rupfen. Kartoffeln und Zwiebeln schälen und grob würfeln, beides in einem Topf in der Butter hellbraun anbraten. Den Grünkohl und den Lorbeer dazugeben und kurz mitrösten. Die Brühe angießen und alles bei mittlerer Hitze 10 Minuten köcheln lassen. Das Lorbeerblatt herausnehmen, die Milch dazugeben und die Suppe mit dem Pürierstab fein mixen. Mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und etwas Paprikapulver abschmecken. Als Topping eignen sich geröstete Kerne und Nüsse. Diese ohne Zugabe von Fett in einer Pfanne leicht anrösten.

Vegetarisch: Tortilla mit Pilzen und Rosenkohl

Vegetarisch: Tortilla mit Pilzen und dem Superfood Rosenkohl

Zutaten
500 g Rosenkohl, 500 g Pilze,
2 Schalotten,
4 EL Oliven- oder Sonnenblumenöl,
8 Eier, 50 g würziger Hartkäse
(Emmentaler oder Bergkäse),
Salz, Pfeffer

So geht’s: Zunächst den Rosenkohl und die Pilze putzen und halbieren. Die Schalotten klein würfeln. Das Öl in einer ofenfesten Pfanne erhitzen und den Rosenkohl etwa 5 Minuten bei mittlerer Hitze braten. Pilze und Schalotten dazugeben, Deckel drauf und weitere 5 Minuten bei kleiner Hitze dünsten. Die Eier in einer Schüssel verquirlen, Salz, Pfeffer und Käse unterheben und auf das Rosenkohl-Pilz-Gemisch gießen. Anschließend in den auf 180 Grad vorgeheizten Ofen geben und 20 Minuten stocken lassen. Zu guter Letzt nur noch herausnehmen und stürzen.

Text: Kirsten Niemann

Fotos: Fotolia