Nach einem Tag voll von Meeresrauschen, norddeutscher Natur und einer Mischung von Sonne und Sonnencreme auf der Haut ist es Zeit, erneut abzutauchen – aber diesmal nicht in Wellen, sondern in einen guten Film! Wenn der Wind dir heute ein wenig zu rau über die Dünen pfeift für ein Sommerlagerfeuer, du deinen Wein lieber drinnen genießt aber trotzdem Meeresfeeling willst, dann sind diese Filme genau das Richtige für dich. Eine helle, witzige Komödie oder ein düsteres, hartes Drama – du wählst. So oder so, die Kulisse steht, norddeutsches Meeresrauschen im Hintergrund deines Hotelzimmers vermischt mit dem norddeutschen Meeresrauschen im Film – so erlebt man einen Film hautnah!

Pappa ante Portas!

Angelehnt an den Ruf „Hannibal ante Portas“, laut Loriot der „populärste Angstruf einer Familie“, nennt Loriot seinen Film „Pappa ante Portas!“ und trifft damit den Kern dieser lustigen Komödie: Ohje, Papa Heinrich ist ab jetzt daheim, denn er ist im Vorruhestand – das wird chaotisch!

Gespielt wird Heinrich von Loriot selbst, der nicht nur die Hauptrolle besetzt, sondern ebenso Regisseur und Drehbuchautor des Filmes ist –  Loriot-Humor fließt also durch jede Ader dieses Filmes! Der Einkaufsdirektor Heinrich Lohse wird in den Vorruhestand versetzt und bringt dadurch seine Familie mit Frau Renate und Sohn Dieter in ein großes Chaos, denn Wirtschaft und Haushalt sind doch sehr verschieden.

Ohne zu viel zu verraten, lässt sich sagen, dass der Höhepunkt dieser witzigen Geschichte auf der Seebrücke in Ahlbeck spielt, eine vertraute Kulisse in dieser immer wieder neu überraschenden Komödie. Wer sich die Seele aus dem Leib und Tränen in die Augenwinkel lachen will, für den ist dieser urkomische Film ein Muss!

Das weiße Band

Ganz anders und viel düsterer kommt der Schwarzweiß-Film „Das weiße Band“ daher. Hier ist nicht von leichter Unterhaltung zu sprechen, sondern von großem Kino. Der preisgekrönte österreichische Regisseur Michael Haneke hat bereits einen Oscar, zwei goldene Palmen und zwei Golden Globes gewonnen. Eine golden Palme, einen Golden Globe und zwei Oscar-Nominierungen hat auch „Das weiße Band“ bekommen.

In einem fiktiven Dorf namens Eichenwald in Norddeutschland spielt die Handlung im Jahr 1913, ein Jahr vor dem ersten Weltkrieg. Der idyllische Schein des Dorfes und der harmlose Untertitel des Filmes „eine deutsche Kindergeschichte“ trügen jedoch. Denn selbst im engsten Familienkreis sind die Beziehungen in Eichenwald von Unterdrückung, Misshandlung und Demütigung geprägt. In dem sonst so scheinbar vorbildlichen Dorf beginnen unerklärliche Grausamkeiten. Unfälle, Misshandlungen und Brandstiftungen häufen sich, wer verantwortlich ist, weiß niemand – aber dass es jemand aus dem Dorf sein muss, weiß jeder. Die Geschichte wird düsterer und düsterer und letztendlich wird jedem Zuschauer klar, dass was hier erzählt wird nicht der Einzelfall eines kleinen Dorfes ist, sondern ein Gleichnis.

Haneke selbst sagte über den Film: „Überall, wo es Unterdrückung, Demütigung, Unglück und Leid gibt, ist der Boden bereitet für jede Art von Ideologie. Deshalb ist ‚Das weiße Band‘ auch nicht als Film über den deutschen Faschismus zu verstehen. Es geht um ein gesellschaftliches Klima, das den Radikalismus ermöglicht. Das ist die Grundidee.“ Eine Geschichte, die als Parabel für eine ganze Gesellschaft gilt. Eine Parabel darüber, wie Faschismus und Krieg entstehen und was das mit Erziehung zu tun hat. Mit historischer Genauigkeit und Präzision hat sich Haneke hier in die Erziehung im 19. Jahrhundert und den sittenstrengen Protestantismus eingearbeitet und seine Verknüpfungen zu den Schrecken des Krieges, die darauf folgten, ausgearbeitet. Haneke erklärt die Essenz des Filmes passend mit den Worten: „Die Frage ist: Wie kippt man in ein solches System hinein? Und das wiederum hat immer mit Erziehung zu tun.“

Ein Film, der einen sicherlich ein paar Mal die Gänsehaut die Arme herablaufen lässt und einen mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt – aber auch ein großes Muss und eine Bereicherung für jeden!

Noch nicht genug? Dann schau dich gleich weiter nach Österreich.