Klimawanderung mit Sportprofi: Dass Wanderführer Mirko Krentz auch jede Gelegenheit für Wassersport nutzt, sieht man ihm an: Braun gebrannt und muskulös verkörpert er den Surfertyp schlechthin. Und natürlich surft er gern. Doch heute ist er an die Seebrücke von Bansin gekommen, um die Badegäste von einer sanfteren Bewegungsform zu überzeugen. Klimawanderung nennt die Kurverwaltung das Angebot, das sie ihren Gästen das ganze Jahr über kostenlos zur Verfügung stellt. „Ich bin auch schon mit Touristen über Eisschollen am Strand gelaufen, da kenne ich nichts“, sagt Mirko und man glaubt es ihm sofort. Aber heute wärmen noch milde Spätsommersonnenstrahlen die Spaziergänger, die brav hinter ihm, ganz dicht an der Brandung, entlanglaufen. Schön zügig, schließlich sei das hier kein simpler Strandspaziergang, mahnt Mirko.

Klimawanderung stärkt das Immunsystem

Nein, es geht vor allem darum, das heilende Brandungsaerosol, das entsteht, wenn Sonne, Wind und Wellen aufeinandertreffen, einzuatmen. Deshalb gönnt der Klimatherapeut seinen Schützlingen auch ab und zu eine Pause für Atemübungen, die das Immunsystem weiter stärken sollen. „Je höher der Wellengang, desto besser, dann gibt es quasi Aerosole ohne Ende“, erklärt er. Und überhaupt, nirgendwo sonst in Deutschland könne man so viel gesundes Reizklima tanken wie hier, wegen der vielen Sonnenstunden. Rund 1.800 sollen es sein? „Nein, ganze 1.906 im Jahr“, korrigiert Mirko penibel – da nehmen die Usedomer es eben ganz genau.

Um etwas Abwechslung in die Tour zu bringen, geht es vom Strand aus auf den höchsten Berg an der Ostseeküste Usedoms – ganze 54 Meter ist der Lange Berg immerhin hoch. Und so manch einem, der eben noch über die Klassifizierung als Berg gelächelt hatte, bleibt beim beachtlichen Aufstieg auf dem unebenen Waldboden das Lachen tatsächlich im Halse stecken.
Doch die Aussicht vom Höhenweg über die Steilküste belohnt für alle Mühen: Unendlich weit erstreckt sich das Meer in der Ferne. „Achtung, nicht zu nah an die Kante!“, warnt Mirko und zeigt die Stellen, wo die Steilküste schon weggebrochen ist. Jedes Jahr verliere die Insel hier durchschnittlich zwölf Zentimeter. Ein Stein im Wasser markiert den Punkt, bis zu dem die Steilküste noch vor hundert Jahren reichte – er ist beeindruckend weit weg von uns.