Mythen Check: Wahrheit oder Irrtum? Wir decken auf…

Brot ist nicht nur ein Grundnahrungsmittel, es gehört zur deutschen Esskultur wie kaum ein anderes. Und doch ranken viele Mythen um das Brot. So wird es etwa als Dickmacher verteufelt. Lesen Sie mehr über unser Grundnahrungsmittel Nummer Eins und erfahrne Sie, an welchen Brot-Mythen wirklich etwas dran ist:

1. Gute Brote sind immer kastenförmig

Falsch

Entscheidend ist, dass die Form zur Brotsorte passt. Ein Ciabattabrot ist zum Beispiel immer flach, ein Dinkelbrot dagegen meist kastenförmig. Übrigens ist eine dicke Kruste bei vielen Broten (vor allem bei dunkleren Sorten) ein Merkmal für hohe Qualität. Denn in der knusprigen Hülle sind die meisten Aromastoffe enthalten. Deshalb schmeckt eine dicke Kruste – sie entsteht durch längere Backzeiten – besser als eine dünne. Außerdem bleibt das Brot so länger frisch, da die Krume, wie das Brotinnere genannt wird, nicht so schnell austrocknet. Allzu große Löcher sollte die Krume nicht aufweisen, vor allem bei Roggenmischbroten muss sie laut Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks gleichmäßig dicht und eher kompakt sein. Zur Aufbewahrung von Broten eignen sich am besten Tongefäße oder Brotkästen, in denen die Luft zirkulieren kann.

2. Die Deutschen sind Brotweltmeister

Richtig

Diese Brot-Mythe stimmt! Die Brotvielfalt in Deutschland ist weltweit ­einzigartig. 3 200 Sorten sind hier registriert. Deshalb wurde die ­deutsche Brotkultur vor einigen Jahren zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe erklärt. Im Jahr 2016 lag die durchschnittliche Einkaufsmenge von Brot je Käuferhaushalt bei 45,9 Kilogramm. Am beliebtesten bei den Deutschen sind Mischbrote. Sie machen mit 32,8 Prozent fast ein Drittel aller verzehrten Brote aus. Platz zwei mit 20,3 Prozent belegt das Toastbrot, gefolgt von Broten mit Körnern und Saaten (15,2 Prozent) und Vollkornbroten (10,5 Prozent).

3. Brot macht dick

Nicht unbedingt

Brot enthält Kohlenhydrate. Und die sind böse, wird heute oftmals suggeriert, denn sie machen dick. Ernährungsexperten unterscheiden jedoch zwischen kurzkettigen Kohlenhydraten (Weißmehl und Zucker), die schnell ins Blut gehen und den Insulinspiegel ansteigen lassen, und den gesunden, langkettigen Kohlenhydraten (in Vollkornprodukten). Alle Brotsorten, vor allem Vollkornbrote, enthalten außerdem Pflanzenfasern und lösliche Ballaststoffe. Diese wirken sich positiv auf Darm und Immunschutz aus.

4. Ausgewiesene Brotexperten heißen Brot-Sommeliers

Richtig

Im Jahr 2015 startete der erste Kurs der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Weinheim zum Geprüften Brot-Sommelier/Geprüfte Brot-Sommelière. Mittlerweile gibt es mehr als 30 geprüfte und ausgebildete Brot-Sommeliers in Deutschland und Österreich. Bedingung für die Teilnahme sind der Meistertitel und umfassende sensorische Fertigkeiten. Die Aufgabe eines Brot-Sommeliers besteht darin, seinem Kunden zu erklären, wie ein Brot genau schmeckt und zu welchem Nahrungsmittel oder Wein es passt. Kräftiges Brot mit guter Röstung passt zum Beispiel gut zu Räucherschinken, ein Dinkelbrot lässt sich gut mit einem Spätburgunder kombinieren.

5. Glutenunverträglichkeit ist weitverbreitet

Falsch

Nur knapp ein Prozent der deutschen Bevölkerung hat eine sogenannte Zöliakie, zeigt also krankhafte körperliche Reaktionen gegen Gluten. Dennoch beobachten weitere 13 Prozent bei sich eine Unverträglichkeit, die mit Blähungen, Bauchgrummeln oder Kopfschmerzen einhergeht und die sie mit Weizenprodukten in Verbindung bringen. Allerdings: Den traditionellen Brotzutaten dürfen etwa 200 Zusatzstoffe beigemengt werden. Kritiker bemängeln, dass bislang kaum erforscht sei, wie diese im Körper wirken – möglicherweise sind sie auch Auslöser für Unverträglichkeiten.

Text: Cornelia Wolter

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