Wahr oder falsch? Wegen seines hohen Nährwertgehalts gilt Milch nicht als Getränk, sondern als Nahrungsmittel. Sie fördert das Wachstum bei Kindern und bereitet Erwachsenen Bauchschmerzen – oder nicht?

Mythos: Kiwis und Milch vertragen sich nicht

KOMMT DARAUF AN

Sie ist eine Vitaminbombe und gibt einem Obstsalat das gewisse Extra. Wer jedoch eine Kiwi in seinen Jo­ghurt rührt, wird im wahrsten Sinne des Wortes bitter enttäuscht. Schuld daran ist das Enzym Actinidin, welches das Milcheiweiß in kleine Bruchstücke zerlegt, die dann bitter schmecken. Das Problem ist das Ver­mischen: Wird die Kiwi zum Joghurt dazu gegessen, schmeckt sie süß, saftig und lecker!

Mythos: Vollmilch schäumt besser als Halbfettmilch

RICHTIG

Ob Latte macchiato, Cappuccino oder Milchkaffee – das weiße Häubchen aus Schaum ist für diese Kaffeespezi­alitäten obligatorisch. Je höher der Fettgehalt ist, desto cremiger wird der Schaum. Wer typisch italienischen Milchschaum bevorzugt, der schon fast an geschlagene Sahne erinnert, greift am besten zu Vollmilch mit einem Fettgehalt von 3,5 Prozent. Aber auch der Eiweißgehalt der Milch und die Temperatur der Milch haben Ein­fluss auf die Beschaffenheit des Schaums. Ideal ist ein Proteingehalt von 3,1 bis 3,5 Prozent. Zudem sollte die zu schäumende Milch so kalt wie möglich sein.

Mythos: „Milch macht müde Männer munter“

FALSCH

Die Alliteration dieses Werbeslogans mag gut klingen, ist aber Quatsch. Milch enthält die Aminosäure Tryp­tophan, die schlaffördernd wirkt, wenn sie in höherer Dosis genossen wird. Andersherum wird ein Schuh daraus: „Milch macht muntere Män­ner müde.“ Wer schlecht einschlafen kann, sollte es mit einem Glas Milch vor dem Schlafengehen versuchen.

Mythos: Nicht jeder Erwachsene verträgt Milch

RICHTIG

Etwa jeder achte Deutsche leidet an einer Milchzuckerunverträg­lichkeit. Nach dem Genuss von Milch, Käse oder Butter leiden sie unter Bauchweh oder Blähungen. Dass die meisten Erwachsenen Milch problemlos genießen kön­nen, verdanken sie einer Mutati­on. Diese Intoleranz ist eigentlich der Normalzustand. In Asien ist so gut wie jeder davon betroffen. Bei uns herrscht ein Gefälle von Nord nach Süd: von zwei Prozent in Skandinavien auf bis über 70 Prozent in Süditalien. Tipp: Käseliebhaber mit Laktoseintole­ranz vertragen reifen Käse. Dieser enthält nämlich keinen Milchzu­cker. Im Kaffee schmecken auch Hafer- oder Mandelmilch.

Mythos: Milch ist gut für die Knochen

FALSCH

Milch enthält besonders viele Vitamine und ist gesund: „Trinkt Milch, sonst wachst ihr nicht!“ – Das wurde kleinen Kindern immer wieder eingetrichtert. Auch Erwachsenen soll das in der Milch enthaltene Kalzium guttun. So ging man lange davon aus, dass man mit Milch der Osteoporose vorbeugen könne. Ein Trug­schluss, wie man inzwischen weiß: Eine schwedische Studie erlaubt den Schluss, dass Frauen, die besonders viel Milch trinken, sogar besonders häufig Knochen­brüche erleiden. Ein Gläschen in Ehren schadet jedoch nicht.

 

TEXT: KIRSTEN NIEMANN