Winterwanderland Harz

Es ist früh am Morgen, doch die kühle kristallklare Luft macht uns schlagartig munter. Unberührter Schnee glitzert am Wegesrand und legt sich wie ein weißer Mantel über die Landschaft. Um uns herum ist es still. Nur das leise Knirschen unserer Schritte begleitet uns, als wir warm eingepackt unsere Wanderung fernab von Skipiste und Rodelbahnen beginnen. Die ersten Sonnenstrahlen finden ihren Weg durch den Winterhimmel und wir unseren langsam den Berg hinauf, vorbei an tief verschnei­ten Bäumen und Eiszapfen. Die Natur verharrt in einer Winterstarre, die Zeit steht still und schnell setzt ein Gefühl der Ruhe und Entspannung ein.

Romantische Spaziergänge

Kaum zu glauben, dass wir uns im Norden von Deutschland befinden. Schon von Weitem gut sichtbar erhebt sich die magische Gebirgswelt des nörd­lich­sten Mittelgebirges, allen voran der 1 141 Meter hohe Brocken. Ein gut beschildertes Wanderwegenetz von über 8 000 Kilometern macht den Harz zu einem Paradies für Wanderfreunde. Ob kurze oder lange Strecken, schmale Pfade oder gut ausgebaute Wege – hier findet jeder seine Route. Im Winter locken romantische Spaziergänge durch verschneite Berge und Täler sowie anspruchsvolle Tagestouren für geübte Wanderer. Viele Wanderwege werden nach Schneefall geräumt und laden zu einer Erkundung der Winterlandschaft und der Beobachtung der Harzer Tierwelt ein.
Ab Bad Harzburg kann zum Beispiel der winterliche Nationalpark erkundet oder ab Schierke auf den verschneiten Brocken gewandert werden. Etwas Besonderes sind Ausflüge mit Schneeschuhen, die im Harz bei entsprechenden Wetterbedingungen bei verschiedenen Anbietern gebucht werden können.

Tourenvorschläge:

Hinauf zum Brocken

Für geübte und gut ausgerüstete Wanderer lohnt es sich, auch im Winter Norddeutschlands höchste Erhebung – den Brocken – zu erwandern. Der urige Wanderweg beginnt in Schierke und führt durch einen zauberhaften Fichtenwald entlang der Stromschnellen des Schwarzen Schluftwassers bis zum Feuchtgebiet Eckerloch. Der Eckerlochstieg mündet in die Brockenstraße, die den Wanderer dann zum Gipfel führt. Oben angekommen, wird man bei guten Wetterbedingungen mit einem fantastischen Ausblick über die weiße Harzlandschaft belohnt. Wer nicht wieder zu Fuß hinabsteigen möchte, gönnt sich eine Talfahrt mit der nostalgischen Harzer Brockenbahn, die den romantischen Wintertag abrundet.

Schwierigkeit:  *****
Strecke: 5,4 km, Dauer: 2,5 Stunden
Aufstieg: 504 hm

Kaiserlicher Ausblick

Ausgangspunkt dieser aussichtsreichen Rundtour ist das Westerntor, die ehemalige Toranlage von Wernigerode. Der Salzbergstraße folgend geht es der Beschilderung zum Armeleuteberg hoch. Dort angekommen, kann im Gasthaus Armeleuteberg Kraft für den letzten Anstieg zum Kaiserturm hinauf gesammelt werden. Wer die steinerne Wendeltreppe des Kaiserturms auf sich nimmt, wird mit einem herrlichen Rundblick belohnt: vom nördlichen Harzvorland bis zum Huy, auf Halberstadt, Wernigerode und den Brocken. Auf dem Rückweg geht es durch das Zwölfmorgental. Bevor der Ausgangspunkt in Wernigerode erreicht wird, bietet der Weg einen wunderbaren Ausblick auf das Schloss Wernigerode.

Schwierigkeit: ***
Strecke: 5,8 km
Dauer: 2 Stunden

Mit Schneeschuhen durch den Winterwald

Schneeschuhe sind mit Kunststoff bespannte Rahmen, die unter die Winterstiefel geschnallt werden. Das Gewicht wird über eine größere Fläche verteilt, was das Einsinken im Schnee verhindert. Wandern mit Schneeschuhen ist anstrengender als das Laufen auf präparierten Wegen. Anfänger sollten daher kürzere, möglichst geführte Touren wählen. Der Schneeschuhwanderweg in Hahnenklee ist gut ausgeschildert und für jeden geeignet. Die Ausrüs­tung stellt der Skiverleih vor Ort.

Schwierigkeit: ***
Strecke: 2 km
Dauer: 1 Stunde

 

Text: Anne Kammerzell

Foto: Fotolia