Sachsen-Anhalt Rund um Wernigerode finden Wintersportler Loipen und Rodelbahnen. Und das Schloss verströmt in der kalten Jahreszeit einen ganz besonderen Zauber

Der Wind saust um die Ohren. Die Mütze rutscht ins Gesicht. Wenn ein Schlitten einmal Fahrt aufgenommen hat, kann er mehr als 20 Stundenkilometer erreichen. Auf dem Rodelhang in Schierke werden es zum Glück nicht ganz so viele. Die Abfahrt dient eher der Einstimmung auf den Winter­urlaub im Harz und ist besonders gut für Kinder und Familien geeignet. Hier, vor der Kulisse des imposanten Schlosses Wernigerode, das im Winter mit zahlreichen Konzerten, Ausstellungen und während der Festtage mit einem kulinarischen Sonderprogramm aufwartet, bekommt der Harzbesucher einen ersten Eindruck von der Tradition, mit der die Harzer tief verbunden sind.

Inmitten eines Naturschutzgebietes

Ein Wintertraum: das Schloss Wernigerode. Bild: fotolia

Ein Wintertraum: das Schloss Wernigerode. Bild: fotolia

Schon 1777 schwärmte kein anderer als der Geheimrat Goethe aus Weimar vom „grenzenlosen Schnee“, den er hier erlebte. „St. Moritz des Nordens“ wurde der Stadtteil Wernigerode bis in die Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts noch genannt. Inmitten eines einzigartigen Naturschutzgebietes mit einer teilweise gänzlich unberührten Flora und Fauna wird klar, warum Schierke eben nicht nur ein Ski-, sondern auch ein Luftkurort ist.

Ruf als Skigebiet

Aber ausgerechnet der Naturschutz kommt dem 800-Seelen-Ort manchmal auch in die Quere. Immer wieder kämpft man hier mit Genehmigungen und Geldern für Vorhaben, die zwar der touristischen Infrastruktur, nicht aber dem Naturpark guttun würden. Der Bau einer neuen Skipiste und eines Liftes, der den Kleinen und Großen Winterberg verbinden soll, sowie der eines Sesselliftes nach Braunlage wird immer wieder verschoben. Dennoch: Bis 2020 sollen die touristischen Angebote in Schierke und Umgebung weiter ausgebaut werden – das haben sich jedenfalls Investoren und Schierkes Ortsbürgermeisterin Christiane Hopstock vorgenommen. Denn seit der Wende will der Hochharz wieder ein Ort für Spaß am Rodeln, Ski- oder Langlauffahren, Eissport und Wandern sein. Und zu seinem Ruf als ernst zu nehmendes Skigebiet zurückkehren, den er sich im 19. Jahrhundert erworben hatte.

Und ab geht's: Skifahren im Harz. Bild: HarzerTourismusverband / M. Bein

Und ab geht’s: Skifahren im Harz. Bild: Harzer Tourismusverband / M. Bein

Winter auf dem Schloss

Wer sich im Schloss ­Wernigerode oder auf dem historischen Weihnachtsmarkt in der festlich geschmückten Altstadt den Bauch vollgeschlagen hat, kann gestärkt von Schierke aus zu einer geführten Wanderung aufbrechen. Der Brocken ist in etwa zwei Stunden auch bei Schnee gut zu erreichen. Besonders empfehlenswert sind die geführten Touren mit den Rangern des Nationalparks. Und auch zahlreiche Langlaufloipen durch den Harzer Nationalpark haben in Schierke ihren Anfangspunkt.

Ski und Rodel gut

Eine davon ist die Große-Winterberg-Loipe. Sie führt von Schierke 13,5 Kilometer weit durch die Schluftwiesen im Tal der Bode und um den Großen und Kleinen Winterberg herum. Höhepunkt ist der Anstieg zum Sattel zwischen Wurmberg und Gro­ßem Winterberg, von dort aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Brocken. Er erhebt sich mit 1 141 Metern aus dem Nebel und bietet klimatische Verhältnisse, die denen der Alpen in etwa 2 400 Metern Höhe entsprechen. Ski und Rodel gut, heißt es denn auch im Harz ab Dezember bis März, wobei die sichersten Schneebedingungen in den Monaten Januar bis März gegeben sind, wie der Harzer Verkehrsverband angibt.

Fahrt mit der Dampflok

Die meisten der alpinen Abfahrten im Harzer Skigebiet messen eine Länge von rund 900 Metern. Bei Weitem nicht so lang wie die der Alpen. Doch die vielfältigen Angebote für Wintersportfans, die sich rund um die Orte Torfhaus, Braunlage und St. Andreasberg finden, machen den Mangel an Abfahrtlänge locker wett.

Brockenbahn fährt durch Winterlandschaft im Harz.

Brockenbahn fährt durch die winterliche Landschaft im Harz.   Bild: Harzer Tourismusbverband

 

Eine Ikone des Harzes ist die Brockenbahn. Die Schmalspurbahn mit ihrer Dampflok ist gewissermaßen das mobile Herzstück der Gegend. Sie ist das beste Zeugnis dieser traditionsreichen Erholungs- und Erlebnislandschaft. 1898 wurde der erste Abschnitt eröffnet. Ab Wernigerode fährt sie über Schierke durch den Nationalpark, vorbei am 971 Meter hohen Wurmberg, kreuzt die Brockenstraße und endet schließlich nach rund 19 Kilometern im Bahnhof Brocken, wo sich ein einmaliges Panorama bietet, von dem jährlich rund 650 000 Fahrgäste schwärmen. Im Winter ist die Fahrt mit der Dampflok erst recht ein ganz besonderes Erlebnis.

Text: Cosima Grohmann

 

Mehr Informationen

 

Rodeln

Am Parkhaus am Winterbergtor
Direkt an der Plaza des Parkhauses in zentraler Lage am Waldrand von Schierke. Kleine, kurze Rodelbahn von circa 100 Metern.

Winterwandern durch den Nationalpark
Wilden Luchsen nachspüren, mit den Rangern auf Spurensuche gehen oder Fledermäuse in der Dämmerung beobachten – verschiedene Wanderungen sind hier zu finden:

Skilanglauf

Schierke
Das etwa 40 km Loipen umfassende Skigebiet hat seinen Ausgangspunkt am Parkhaus „Am Winterbergtor“ in etwa 600 m Höhe und erreicht teilweise Höhenbereiche über 1 000 m. Dieser Höhenunterschied ist sowohl eine anstrengende als auch attraktive Besonderheit der Schierker Loipen, denn sowohl Anstiege als auch Abfahrten stellen zum Teil hohe Anforderungen an den Skiläufer.

Schloss Wernigerode

Das hübsche Schloss steht auf eienr Anhöhe, das ganze Jahr über finden dort Veranstaltungen statt.